Ein Vater ist ein Vater und eine Mutter ist eine Mutter

Auf science.orf.at erschien diese Woche ein Interview, über das ich mich hier kurz auslassen möchte. Aaron Salzer hat die Entwicklungspsychologin Barbara Supper interviewt, die in einem Forschungsprojekt unter anderem der Frage nachgeht, was einen guten Papa ausmacht. Beim Lesen habe ich mir mehrmals die Frage gestellt, wie absurd die Fragen und Antworten nicht ohnehin sind und wie lächerlich sie wären, würde eins “Vater” gegen “Mutter” im Text austauschen. Ich mache das mal zur Veranschaulichung für die letzte Frage des Interviews:

Nach dem aktuellen Wissenstand, was macht einen guten Papa aus?

Es ist nicht relevant, ob ein Vater täglich Zeit mit seinem Kind verbringt. Es ist viel wichtiger, auf welche Art und Weise die Interaktion verläuft. Es zählt die Qualität der Beziehung: Wenn ein Vater Zeit mit seinem Kind verbringt, dann sollte er ein toller Spielpartner sein, der sich auf das Kind einstellt und mit dem Kind etwas unternimmt. Wesentlich ist: wenn er da ist, dann ist er in seiner Rolle.

[Nach dem aktuellen Wissensstand, was macht eine gute Mutter aus?

Es ist nicht relevant, ob eine Mutter täglich Zeit mit ihrem Kind verbringt. Es ist viel wichtiger auf welche Art und Weise die Interaktion verläuft. Es zählt die Qualität der Beziehung: Wenn eine Mutter Zeit mit ihrem Kind verbringt, dann sollte sie eine tolle Spielpartnerin sein, die sich auf das Kind einstellt und mit dem Kind etwas unternimmt. Wesentlich ist: wenn sie da ist, dann ist sie in ihrer Rolle.]

Aber wir wissen ja, ein Vater ist ein Vater und ein Spielpartner und eine Mutter ist eine Mutter und keine Spielpartnerin. Ich werde versuchen daran zu denken, wenn ich das nächste Mal Zeit mit dem Kind verbringe.

Einige Hörempfehlungen

Die Sendereihe genderfrequenz von Radio Helsinki (freies Radio Graz) beschäftigte sich im Juli 2013 in ihrer Sendung “Mein Bauch gehört mir!” mit dem Thema Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch in Österreich.

genderfrequenz

In der Sendungsankündigung heißt es:

Der weibliche Körper wird vor allem als Reproduktionskörper Objekt von gesellschaftlicher, medizinischer und somit staatlicher Kontrolle -  und darum geht es in der heutigen Ausgabe der genderfrequenz:

  •  Karin hat mit drei Frauen über ihre Erfahrungen als Schwangere gesprochen,
  • Dani hat sich die Geschichte des Mutter-Kind-Passes und die vorgeschriebenen Schwangerschafts-Untersuchungen näher angeschaut,   
  • Marlies berichtet euch von den rechtlichen Bestimmungen bezüglich Schwangerschaftsabbruch in Österreich,
  • und Simone behandelt das Thema Frauen mit Behinderung(en) und Schwangerschaft.

Bild (c) genderfrequenz

anarchistelfliegeEpisode 77 des Podcasts “Die urbane Spinnstube” von Anarchistelfliege hatte neben Strick- und Spinnthemen Muttersein und Feminismus zum Schwerpunkt. Zu Gast war Maria von memyselfandchild. Gesprochen haben die beiden über ganz viele Themen zum Beispiel über den Druck auf Frauen* Kinder zu bekommen, dem gesellschaftlichen Wert von Kinderbetreuung und Hausarbeit, Intersektionalität (Kritisches Weißsein und Feminismus) oder darüber, dass Alleinerziehende (double parent) nicht als Bedürftige und Zu-Rettende dargestellt werden sollten. Aber hört selbst!

Bild (c) Anarchistelfliege

Die Mädchenmannschaft veröffentlichte kürzlich ihren Winterpodcast “Reproduktive Rechte im Kontext“. Darin gehen accalmie, Anna-Sarah, Charlott und Nadia den  Fragen nach: Für wen sind die “Pille danach” oder Abtreibung relevante Themen? Nicht nur Frauen können schwanger werden, und nicht für alle Frauen ist schwanger werden können ein großes Thema – aus verschiedenen Gründen. An welche Personen werden überhaupt Anrufungen “eine Familie zu gründen” gerichtet? Wem wird es eigentlich verunmöglicht?

Ebenfalls sehr hörenswert ist der Podcast heiter scheitern. In Folge 54 zieht das queere Dreichen Resümee über 4 Jahre Elternsein und das Leben als Pflegefamilie. Sie sprechen über jahrelange Erschöpfungszustände und wie sie sich vermeiden lassen und darüber “wie das System™ es verunmöglicht, eine richtige™ Familie™ zu werden.”

Pflegefreistellung – ein kurzer Rant

Es gibt auf diesem Arbeitsmarkt überraschenderweise ein paar Zugeständnisse an die “Nicht-Alleinverdiener” (bewusst nur die männliche Form). An die, die keine Person zur Seite haben, die sich um alles “drumherum” kümmert. Also an die, die eigentlich nicht zu denen gehören, für die dieser Arbeitsmarkt gemacht ist.

Zum Beispiel an Frauen, die “ausfallen”, weil sie bei einem kranken Kind zu Hause sein müssen. Denen wird (in sehr reglementierter und kontrollierter Form) eine Pflegefreistellung zugestanden. Ich würde gerne die Statistiken nach Geschlecht sehen, habe sie aber auf die Schnelle nicht gefunden. Ich wage aber zu behaupten, dass es mehrheitlich Frauen sind, die pflegefreigestellt werden.

Wir, der Vater des Kindes und ich, versuchen das mit der Pflegefreistellung so gut es geht abzuwechseln. Diesmal bin ich dran. Zum ersten Mal eigentlich. Das Kind ist zum Glück selten krank.

Mein Arbeitgeber verlangt eine ärztliche Bestätigung für diese Pflegefreistellung. Das Kind hat leichtes Fieber und Husten. Eine Angelegenheit für die ich nicht zur Ärztin gehen würde, mit der es aber nicht in die Krippe kann.

Ich versuche von unserer praktischen Ärztin die verlangte Bestätigung zu bekommen. Kind einpacken, hingehen, fragen (am Telefon ist niemand zu erreichen). Ergebnis: geht nicht, stellt sie erst für Kinder ab 3 Jahren aus. Wir müssen zur Kinderärztin. Anruf dort: Bestätigung kriegt eine gegen Bezahlung schon, aber nur wenn die Ärztin das Kind gesehen hat. Sie dürfe das nicht mehr “so” ausstellen, denn die Krankenkasse würde das immer strenger kontrollieren.

Misstrauensvorschuss auf allen Ebenen (vom Arbeitgeber, der Ärztin, der Krankenkasse). Ja, ich mache mir mit dem eh nicht kranken Kind, in Wahrheit einen Lenz zu Hause. Ich will nämlich gar nicht (erwerbs)arbeiten, sondern alle nur ausnehmen und das Sozialsystem sowieso.

Die Kinderärztin kann sich das Kind heute nicht mehr ansehen (kein freier Termin), sondern frühestens morgen. Ausgestellt wird die Bestätigung aber erst ab dem Datum an dem das Kind untersucht und für krank befunden wurde, also auch frühestens ab morgen. Ich könne ja versuchen, eine andere Kinderärztin zu finden, die es heute noch drannimmt (hahaha, abgesehen davon, dass ich ein krankes Kind zu betreuen habe und nicht den halben Tag am Telefon hängen kann, bin ich schon zu früheren Zeitpunkten daran gescheitert, mal eben am selben Tag einen Termin bei einer Kinderärztin, die uns noch nie gesehen hat, zu bekommen).

Kurz gesagt, ich war heute “unbestätigt” bei meinem Kind zu Hause. Wenn mein Arbeitergeber findet, dass sei unentschuldigtes Fehlen, kann er mich dafür entlassen.

umstandslos. magazin für feministische mutterschaft

Ein Internetort, an dem feministische Mutter*schaft in ihren verschiedenen Facetten diskutiert wird und an dem viele Menschen gemeinsam arbeiten? Von so einem Projekt habe ich schon länger geträumt. Wie erfreulich, dass es Menschen gibt, die dieses Vorhaben konkret in die Hand genommen haben und viele tolle Mitschreiberinnen* zusammengetrommelt haben: Gestern war es also soweit: umstandslos. magazin für feministische mutterschaft ging online! Gegründet von AufZehenspitzen-Bloggerin Connie und Catherine, der Schreiberin von Catzenkind, freue ich mich Teil des Redaktions- und Autorinnenteams zu sein.

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Ziel des “umstandslos”-Magazins ist eine Vernetzung feministischer Mütter*. Darüber hinaus sollen die Belange feministischer Mütter nach außen getragen, sichtbar gemacht und besser wahrnehmbar werden. Das “umstandslos”-Magazin möchte ein möglichst breites Spektrum feministischer Mutterschaft darbieten.

* unter “Mütter” verstehen wir alle Menschen, die sich selbst als solche definieren – biologische Mütter, verhinderte Mütter, Adoptivmütter, Einzelkind-Mütter, Pflegemütter, hetero Mütter, queere Mütter, Nicht-Mütter, Trans/Inter-Mütter, Mehrfache-Mütter, alleinerziehende Mütter, kinderlose Mütter, männliche Mütter, ungewollte Mütter, …

wie jetzt

Illustration. (c) herzfein für umstandslos

Zu meinem ersten umstandslos-Beitrag in der Rubrik Wie jetzt? mit dem Titel Du nicht. Nur die Mama. wird auch schon vielversprechend kommentiert, was ich besonders schön finde.

Mein Sohn soll irgendwann deine Tochter heiraten

Eine der Geschichten aus dem Alltag mit Kind, die mich sprachlos zurücklassen:

Meine Tochter (2) besucht eine Kinderkrippe. In ihrer Gruppe sind insgesamt 14 Kinder, nur 2 davon Mädchen. Wobei das nicht unbedingt etwas zu folgender Geschichte beiträgt. Wenn ich das Kind zur Krippe bringe oder abhole treffe ich andere Eltern mit ihren Kindern.

Dabei meinte eine andere Mutter neulich. “W. [meine Tochter] ist so süß. Also wenn P. [ihr Sohn] sie später einmal heiraten möchte, ich hätte nichts dagegen.”

Aha? Was geht denn hier ab? Leider bin ich nicht in der Lage darauf zu reagieren. Lächle nur freundlich und bleibe sprachlos.

Einige Tage später treffen wir dieses Mutter-Sohn-Duo wieder. Diesmal sagt die Mutter: “Na P., wie gefällt dir W.? Findest du sie auch süß? Also wenn du sie später einmal heiraten möchtest, meinen Segen hast du.”

Wo soll ich anfangen? Hat es einen Sinn mit ihr darüber zu sprechen? Ich bleibe wieder sprachlos.

Wieder einige Wochen später plaudere ich am Heimweg mit einer anderen Kindergartenmutter. Ihr Sohn und meine Tochter sind ebenfalls dabei. Die andere Frau sagt: “Also M. [ihr Sohn] versteht sich so gut mit W. Ich denke da hat P. gar keine Chancen.”

Hat das System? Ist das die Art und Weise wie hier Eltern über Kinder sprechen?

Gestern waren wir am Spielplatz und haben einige andere Kinder getroffen, die wir kannten. Ausschließlich Buben. Die Kinder haben mehr oder weniger miteinander gespielt. Wie das eben so abläuft unter Zweijährigen. Und wieder hat sich eine Mutter zu einer Bemerkung dieser Art hinreißen lassen:

“Na, W. hat aber schon viele Verehrer.”

Die Nachbarin mit der ich im Anschluss darüber gesprochen habe, findet dass Menschen nun einmal so reden. Sie haben das selbst in ihrer Kindheit so gehört und plappern es nur nach. Ich soll das nicht so ernst nehmen.

Ich nehme alles ernst was Sprache betrifft. Vor allem wenn ich der Meinung bin, dass diese Sprache eine Welt konstruiert, die ich weder für mich noch für mein Kind haben will.

Hier wird Hetero- und Paarnormativität konstruiert. Es wird schon den Kleinsten (auch wenn sie es nicht direkt verstehen) vermittelt, dass Heterosexualität die ideale Lebensform ist. Dass Mädchen süß sind und es als erstrebenswert gilt später ein süßes Mädchen zu heiraten. Mädchen werden als Objekte dargestellt (sie werden geheiratet). Eigenes Handeln scheint für sie nicht vorgesehen. Mädchen sind anders. Mit ihnen ist man nicht befreundet oder spielt mit ihnen. Man verehrt sie oder heiratet sie. Spätestens in zwei Jahren werden uns die Kinder erklären, dass das so ist.

Feministisches Müttertreffen – 29.10. ab 15:00

Das feministische Müttertreffen geht in die zweite Runde. Endlich!

Wir treffen uns am 29.10.2013 ab 15:00 im Dschungel Cafe im MQ. Mit oder ohne Kind/er, wie es euch beliebt oder möglich ist. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und regen Austausch. Natürlich sind viele neue Gesichter willkommen!

Daniela und Antonia

Lesenswertes der letzten Zeit – Stillen, Arbeiten und Basteln

Wie schön: Im futblog gibt es ab sofort eine Muttiblogrubrik. Der erste Beitrag stammt von Carla und trägt den Titel “badass breastfeeding“. Sie widmet sich dem Thema aus der Sicht einer, die länger als der österreichische Durchschnitt gestillt hat. Carla möchte mit einigen Mythen aufräumen, mit denen sie während ihrer Stillzeit konfrontiert war. Unter anderem damit, dass Stillende in Askese leben müssen. Also, falls ihr stillen wollt und es euch trotzdem gut gehen lassen wollt: futblog lesen!

In den Kommentaren geht es heiß her, wie meist beim Thema Stillen. Menschen die sich von in der Öffentlichkeit Stillenden gestört, belästigt oder was auch immer fühlen kommen zu Wort. aufZehenspitzen verlinkt hilfreiche Tipps für sie. Am besten fand ich den hier:

3. Dress appropriately. Try wearing a scarf or a top that has a hood. That way, if you encounter a nursing mother, it’s simple to pull the fabric up over your eyes, or to pull the hood forward to act as blinders so you can easily avert your eyes and not suffer any peripheral vision of nursing a baby.

Die vollständige Liste von scepticalmothering.com zum Weiterreichen und Verlinken gibt es hier.

aufZehenspitzen setzte sich in ihrem Blog jüngst damit auseinander wie, wo und warum Feminismus und Neoliberalismus miteinander verbandelt sind.

Der Neoliberalismus strebt nicht nach Solidarität oder Gerechtigkeit, und auch nicht nach Antiklassismus oder Antirassismus. Sich also mit so einem (argumentativ) verbandeln oder doch lieber eigene Wege gehen? Ich plädiere für letzteres.

Feminismus aufs Ohr – Der lila Podcast” so der Titel des neuen Podcasts von Frau Lila. In Folge zwei nehmen sich Kathrin Rönicke und Susanne Klingner das Thema Arbeit vor. Sie sprechen über:

Arbeit und Familie, die Frage, ob es Vereinbarkeit überhaupt gibt und geben kann und über die Idee des Bedingungslosen Grundeinkommens. Macht Selbstständigkeit uns glücklicher? Wie arbeiten heute die meisten Menschen? Welche Unterschiede in ihrer Herangehensweise an Arbeit gibt es zwischen Männern und Frauen (oder auch nicht?)?

Überfordert sein im Kleinfamilienkosmos? Kommt mir bekannt vor. Melanie von glücklichscheitern hat für die Mädchenmannschaft eine der Situationen beschrieben, die sie im Kleinfamilienkosmos überfordern. In ihrem Text Mädchenväter geht es um Aussagen von eben diesen, im Stil von

und wenn die kleine mir mal mit nem jungen nach hause kommt, DER kann was erleben!

Was alles hinter solchen Aussagen steckt? Eins will es ja eigentlich gar nicht wissen. Die Analyse ist trotzdem sehr lesenswert.

Österreich hat im Europavergleich eines der liberalsten Abtreibungsgesetze. Warum die Zustände trotzdem unhaltbar sind erfahren wir von Sandra Ernst-Kaiser in ihrem Kommentar “Abtreibung raus aus dem Strafrecht” auf diestandard.at. Besonders in den westlichen Bundesländern ist die Situation katastrophal. Es gibt noch immer kein öffentliches Krankenhaus, das Frauen einen Abbruch ermöglicht. In Tirol, wo die Kosten für eine Abtreibung dem freien Markt überlassen sind, sind Kosten von 1000€ für einen Abbruch üblich. Wir leben in einem Land, in dem ein Schwangerschaftsabbruch eine Frage des Geldes ist.

Ein vergleichsweise harmloses Thema, das mich zur Zeit beschäftigt ist die Frage, ob ich dem Kind Bücher, das es geschenkt bekommen hat und die ich nicht so toll finde (also nicht die, die mensch gleich in den Müll wirft, sondern die, bei denen mensch sich beim Vorlesen teilweise denkt, was lese ich hier eigentlich) einfach vorenthalten soll.

@leitmedium, Vater einer vierjährigen Tochter beschreibt auf kleinerdrei, warum er manche Bücher (aus seiner Kindheit) seiner Tochter lieber nicht vorliest.. “Die “heile” Welt von Janosch, Conni & Co. – und warum ich sie meiner Tochter nicht zumute”.

Wenn auch bei euch die Auswahl von Kinderbüchern, bzw. überhaupt die Suche nach guten (emanzipatorischen) Kinderbüchern aktuell ist, dann sei euch der Kinderbuchkritikblog buuu.ch! ans Herz gelegt, bzw. die Juni Ausgabe der Anschläge mit dem Schwerpunkt “Emanzipatorische Kinder- und Jugendliteratur”.

Etwas off topic, aber weil es so schön ist und weil ich es liebe zu basteln: ebenfalls auf kleinerdrei gibt es Nicoles Liebeserklärung ans Basteln zu lesen. Wenn ihr Motivation sucht um mal wieder etwas selber zu machen, oder einfach gerne zwischendurch die Handarbeit feiern wollt, dann solltet ihr unbedingt “Hand Made Crafts – eine kleine Liebeserklärung” lesen.