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Jedes Mal wenn ich den Begriff “Teilzeitfalle” höre, ärgere ich mich. Aber warum eigentlich?

  • Weil der Begriff “Teilzeitfalle” suggeriert, dass eine Person wider besseren Wissens in eine Falle getappt ist. Er unterstellt, dass Frauen* nicht verstehen, dass weniger Einkommen irgendwann auch weniger Pension bedeuten wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das eine erhebliche Anzahl an Menschen noch nicht verstanden hat.
  • Weil der Begriff “Teilzeitfalle” wie eine Anrufung ausschließlich an Frauen* gerichtet wird (“die Teilzeit ist weiblich” ist eine weitere beliebte Floskel) und dabei aber nicht angesprochen wird, worüber meiner Ansicht nach gesprochen werden muss. Zum Beispiel darüber, dass wir Arbeitszeitverkürzung für alle fordern sollten und nicht Anpassung an das männliche Vollzeiterwerbsideal für alle. Oder darüber, dass Frauen*, die sich angeblich in der “Teilzeitfalle” befinden, tatsächlich viel mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, der unbezahlte Teil ihrer Arbeitsstunden sich aber weder auf ihr Einkommen, noch auf ihre Pensionsversicherungsbeiträge auswirkt.
  • Weil für mich das Propagieren der “Teilzeitfalle” eine weitere Strategie ist, Frauen* für ihre prekären Erwerbsarbeitslagen selbst verantwortlich zu machen. So nach dem Motto: Wenn ihr euch später darüber aufregt, dass ihr so wenig Pension bekommt, dann können wir euch zumindest daran erinnern, dass wir euch vor der “Teilzeitfalle” gewarnt haben.

Ärgert ihr euch auch über den Begriff “Teilzeitfalle”? Wenn ja, warum?

international_womens_dayDer 8. März naht und mir ist es wie jedes Jahr ein Anliegen, diesen Tag mit anderen Feministinnen zu verbringen. Schon länger denke ich außerdem darüber nach, dass es schön wäre mit feministischen Müttern auch außerhalb des Internets mehr Kontakt zu haben. In diesem Kontext habe ich mit einer Freundin die Idee geboren, einfach mal für den Frauentag ein Treffen hier vorzuschlagen. Also, liebe feministische Mütter aus Wien und der ganzen Welt, wenn ihr Lust habt mit uns über Feminismus und Mutterschaft zu plaudern, oder einfach nur einen gemeinsamen Kaffee zu trinken. Kommt vorbei! Wir freuen uns darauf euch kennen zu lernen!

Wann: 8.3.2013 ab 10:00

Wo: Dschungel im MQ Wien

Wir haben es irgendwie geschafft einen Krippenplatz zu ergattern. Die von fuckermothers beschriebenen Erfahrungen gelten teilweise auch für Wien. Vor allem sind die Vergabekriterien für die Plätze total undurchsichtig. Bei unseren “Krippentouren” hatte ich immer das Gefühl, wir sind als Familie bei einem Vorstellungsgespräch. Und die Frage “Warum sind sie nicht schon in der Schwangerschaft gekommen?” konnte ich bald nicht mehr hören.

Nun gut, letztendlich hat es ja irgendwie geklappt. Zum Glück. Die Eingewöhnung ist super verlaufen (die wussten, wie sie das organisieren!). Kurz gesagt: wir sind alle zufrieden.

Mutter-Kind-Beziehung

Gäbe es da nicht dieses konservative “Ideal” der Gestaltung der Mutter-Kind-Beziehung, das permanent an mich herangetragen wird. Es kommt ungefähr so daher: nach einer “natürlichen” (=vaginalen) Geburt, wird das Kind solange gestillt (und getragen) wie das Kind (und der Mann und das restliche Umfeld) das möchte. Mama (und bitte nur Mama) bleibt zumindest bis zum dritten Lebensjahr des Kindes “zuhause” (=erwerbsarbeitet nicht). Wenn es das Einkommen des “Alleinverdieners” ermöglicht, gerne auch länger.

Abweichungen von diesem Ideal müssen entweder mit Not entschuldigt (“Ich muss arbeiten, wir können uns das sonst nicht leisten”) oder permanent gerechtfertigt werden. Mir ist bewusst, dass die Mehrheit der Familien dieses Ideal nicht lebt, aber davon lässt sich ja ein Ideal nicht (so schnell) beeindrucken. Der gesellschaftliche Normierungsdruck wirkt und wirkt und wirkt.

Wie soll ich reagieren, wenn mir eine AHS Lehrerin erzählt, dass sie bei Schüler*innen, die bereits so früh “weggegeben” wurden, soziale Defizite erkennen kann und sie die Krippenkinder unter allen Kindern identifizieren kann?

Oder wenn die Nachbarin der Eltern am Land mich fragt, ob ich denn so hoch qualifiziert sei, dass das Kind schon in die Krippe müsse?

Oder wenn eine Frau, die ich zum ersten Mal sehe, mich fragt, wie ich emotional damit klar komme, dass ich mein Kind schon so früh* weggebe.

(* “so früh” bedeutet in unserem Fall mit 12 Monaten – in vielen anderen Kontexten, wäre das vielleicht “so spät”.)

Mediale Darstellung

Wie gesagt, ich bin zufrieden. Rundum zu frieden. Solange ich keine Mainstream-Zeitungen aufschlage. Denn dort wird das Thema Eingewöhnung meist ungefähr so verhandelt: Ein armes Häuffchen Elend sitzt in einer Ecke und schluchzt den ganzen Vormittag vor sich hin. Das bemerkt noch nicht einmal eine Betreuerin, denn die hat so viel zu tun, dass sie sich nicht um jedes Kind “individuell” kümmern kann. Das Personal ist in vielen Krippen nicht ausreichend und die Bedingungen sind sicher nicht immer ideal. Aber darauf wollen die Medien eher selten hinaus. Ziel dieser Darstellung ist meines Erachtens meist der Hinweis, dass das Kind hier eigentlich nicht sein sollte.  Etwas schöner formuliert klingt das dann zum Beispiel im onlinestandard so:

“Der kleine Bub wackelt durch den Raum. Greift nach einem Spielzeughandy, drückt es ans Ohr, plappert drauf los. Es ist der erste Tag, den er ohne seine Mutter in der Kinderkrippe verbringt. Das gespielte Telefonat mit Mama hilft, die Trennung zu ertragen. Der Bub ist gerade einmal 18 Monate alt.”

Klingt nicht ganz so furchtbar, aber auch hier wird deutlich: 18 Monate ist zu früh für die Krippe und die Mutter als erste Bezugsperson sollte eigentlich bei dem Kind sein.

Die Mainstreammedien schreiben viele Dinge, die ich kaum aushalte und meist einfach nicht lese. So soll ich es auch mit der Krippenfrage halten. Aber hin und wieder, wenn mal wieder einer dieser Artikel durchs Internet gereicht wird, schaffe ich es einfach nicht wegzuschauen. Und als jüngst der Artikel “Ihr Kinderlein, kommet: Der Zwang zur Krippe” die Runde machte, stimmte mich besonders nachdenklich, wie Jesper Juul hier als Krippengegner instrumentalisiert wird.

Vor der Eingewöhnung des Kindes, dachte ich, es wir in jedem Fall tränenreich und schrecklich werden, aber wir werden das schon irgendwie schaffen. Im Nachhinein wundert mich diese Erwartungshaltung. Es war nicht tränenreich und schrecklich. Es war behutsam und einfühlsam und das Kind ging vom ersten Tag an gerne in die Krippe.

Was das Kind nicht ist

Das Kind ist nicht brav.

Auch wenn das von allen Seiten an uns herangetragen wird. “Sie/Er ist aber wirklich ein braves Kind”, scheint das allseits beschwichtigende Mantra für Eltern zu sein. Brav? Das bedeutet für mich, dass ein Kind Anweisungen befolgt und gehorsam ist. Das tut sie eigentlich nicht. Manchmal ertappe ich mich dennoch dabei, dass ich beipflichte und antworte: “Ja, sie ist wirklich brav.” Blödsinn. Ist sie nicht.

Das Kind ist kein kleiner Mann.

Mein Kind klettert auf der Treppe im Kaufhaus herum. Kommt ein alter Mann vorbei und sagt: “Hallo, kleiner Mann.” Eine Anrede, die immer wieder an sie gerichtet wird. Mir ist es oft zu mühsam zu korrigieren. Vielleicht höre ich irgendwann ja doch noch ein “Hallo, kleiner Mensch.”

Das Kind ist kein Reiter.

Die Oma ist zu Besuch. Sie spielt mit dem Kind “Hoppa, Hoppa Reiter”. Das Kind lacht und freut sich. Noch einmal. Noch einmal! Ich sage: “Sie ist kein Reiter, sie ist eine Reiterin.” Die Oma beginnt von vorne: “Hoppa, Hoppa Reiterin. Wenn er,…äh sie….fällt, dann schreit er, ….äh sie.”

(Danke an Daniela R. für die Hinweise).

Betreue ich das Kind mehr als 24 Stunden alleine, so habe ich jedes Mal das Gefühl, das ist die anstrengenste Aufgabe, die es gibt. Gleichzeitig frage ich mich, ob mir dieses Kleinkind (es ist ja nur eins, und überhaupt bin ich normalerweise mit Kinderbetreuung gar nicht überbelastet, da werde ich das doch zwischendurch mal auf die Reihe kriegen) wirklich so viel Energie abringt, oder ob ich einfach eine schwache  Person bin, die sich zudem zu leicht aus der Ruhe bringen lässt (ja, der “Mütter-Schaffen-Alles-mit-Links-Druck” lässt grüßen).

Aus diesem Grund habe ich mir die Mühe (oder vielmehr die Freude) gemacht, einen dieser Tage zu protokollieren.

Ich nenne das Arbeit. Arbeit, ohne Wenn und Aber.

(Angeregt das zu veröffentlichen hat mich auch ein Text von “glücklich scheitern“, der sehr viele wichtige Punkte zu diesem Thema aufgreift!)

24 Stunden. Mein Kind (11 Monate) und ich.

00:00: Ich bin müde. Dennoch lasse ich mich vom Netz gefangen halten. Ich treibe herum. Noch einen Artikel lesen, ein letztes Mal auf Twitter schauen.

00:30: Ich liege im Bett. Das Kind wird mich früh wecken. Hoffentlich geben mir 6,5 Stunden Schlaf genug Energie für den nächsten Tag. Um 02:30 werde ich wach. Meine Tochter im Gitterbett neben mir weint. Ich warte ab, hoffe, dass sie von selbst wieder einschläft. Macht sie nicht. Also aufstehen, Fläschchen machen, sie füttern. Zehn Minuten später schlafen wir weiter. Bis 06:00. Sie ist wieder wach. Ich gebe ihr Wasser und sie schläft zum Glück noch einmal ein. Um 07:00 ist dann endgültig nicht mehr an Schlafen zu denken und ich hole sie zu mir ins Bett.

Sie ist ein Kind, das langsam wach wird und am Morgen gut gelaunt ist. Sie kugelt auf mir herum, spielt mit dem Wecker und alles was sie sonst so zwischen die Finger kriegt. Sie scherzt, zeigt mir die Zunge, grinst und lacht und ich bin ganz verzückt von ihr. Einerseits. Andererseits möchte ich einfach meine Ruhe haben und weiterschlafen.

07:30: Wir stehen auf. Erster Weg ins Bad. Das Kind wickeln und anziehen. Die Windel ist bestimmt übervoll. Einerseits. Andererseits würde ich mich gerne zuerst mal selbst anziehen, waschen, Kaffee trinken… Ich muss meine Energien bündeln. Sie jammert beim Anziehen, findet es blöd auf dem Wickeltisch zu liegen und in diese engen Ärmeln gestopft zu werden.

Jetzt ich. Anziehen, Kaffee kochen, Frühstück machen. Wir frühstücken gemeinsam. Ich versuche nebenbei die Zeitung zu lesen. Das funktioniert ganz gut, ich kann mich ein bisschen wegstehlen. Dann möchte sie raus aus dem Hochstuhl und ich lasse sie in der Küche herumkrabbeln. Am Boden findet sie Essensreste vom Vortag. Eine Weintraube dort, ein paar Brotkrümmel da. Sie steckt alles in den Mund. Ich versuche sie nicht aus den Augen zu verlieren, mich nicht in einen Artikel zu vertiefen. Sie räumt ihre Spielsachen aus und was sie sonst noch so zu fassen kriegt. Sie beschäftigt sich eine Weile selbst.

Das ist unser zweiter Tag zu zweit. In der Wohnung ist Chaos ausgebrochen. Das von ihr verursachte und das von mir verursachte.

Dann dieser Geruch. Sie hat in die Windel gemacht. Also wieder wickeln. Gezetter beim Ausziehen, der Geruch haut mich fast um. Ruhig bleiben. Ihr irgendetwas Spannendes, Ablenkendes in die Hände drücken. Sie sauber machen und dabei mit ihr sprechen. Noch einmal ausziehen. Nocheinmal anziehen. Es ist 08:30.

Ich dusche. Dabei lasse ich die Duschwand einen Spalt offen, damit ich das Kind nicht aus den Augen verliere. Sie findet das herunterprasselnde Wasser sehr spannend. Sie patscht mit ihren Händen in die Duschtasse, versucht reinzuklettern. Mein Zugang: erst eingreifen, wenn sie sich verletzen könnte. Ansonsten ruhig bleiben und weiter duschen. Ist ja nur Wasser. Mittlerweile ist sie ziemlich nass geworden. Ihre Haare sind total nass. Ihre Kleidung auch. Was solls. Es ist nicht kalt in der Wohnung. Ich ziehe mich an. Ich ziehe das Kind wieder aus und wieder an. Es ist 09:00.

Ich würde jetzt gerne meinen Tag beginnen. Den Computer hochfahren. Emails checken etc. Das Aufräumen links liegen lassen, das Kind nicht aus den Augen verlieren und sich gleichzeitig zumindest ein wenig in die digitale Welt stürzen.

Die Kleine wird bald hungrig werden. Beim Frühstück hat sie nicht viel gegessen. Es ist an der Zeit ihren Brei zu kochen. Äpfel schälen, kochen, Dinkelflocken einrühren. Da würde sie sehr gerne mitmachen. Sie hängt an meinem “Rockzipfel” und hätte zu gerne das Messer. Damit sie sich etwas beruhigt mache ich ihr den Geschirrspüler auf und lasse sie etwas – naja – auf der Tür herumklettern. Das macht sie sehr zufrieden. Ich denke über Erziehung und nein sagen nach. Aber dafür ist es ja bestimmt noch zu früh.

Weiter im Programm. Kind füttern. Kind sauber machen. Boden, Tisch, Hochstuhl sauber machen auf später verschieben. Kinderwagen fürs Rausgehen vorbereiten. Das dauert eine gefühlte Stunde und fühlt sich an wie Packen für eine Reise. Die Kleine ist schon müde und quengelig und schlägt sich beim Herumkrabbeln dauernd den Kopf an.

Mittagsschlaf. Ich kann es kaum erwarten. Wenn sie schläft, dann werde ich…..Emails beantworten, das Geschenk für die Freundin verpacken, die Wohnung aufräumen. Telefonieren. Das wird schön.

11:00: Sie ist eingeschlafen. Ich sitze neben ihr und fange an diesen Text zu schreiben. Die Ruhe weilt nur kurz. Nach einer halben Stunde öffnet sie ihre Augen und freut sich mich zu sehen. Ich freue mich auch. Wirklich.

Ich füttere sie, drehe das Radio auf und wir tanzen eine Runde. Sie liebt das, ich auch. Ein schöner Moment.

12:00: Sie wird langsam unruhig in der Wohnung. Rausgehen hilft immer. Wir sind zum Essen verabredet, es ist aber eigentlich noch zu früh um aufzubrechen. Trotzdem, die restlichen Sachen, für alle Eventualitäten, an die Eltern eben denken müssen, im Kinderwagen verstauen, das Kind einpacken und los gehts.

13:00: Wir treffen K. Es gibt – ich bin heilfroh – einen Hochstuhl im Restaurant. Das verschafft mir etwas Freiraum. K. freut sich das Kind wiederzusehen. Es ist schön zu sehen, dass andere Menschen Freude an ihr haben. Ich bin ein bisschen gerührt. Hach.

Das Essen verläuft turbulent. Es ist nahezu unmöglich ein zusammenhänges Gespräch zu führen, wenn frau dazwischen versucht ein Kleinkind bei Laune zu halten. Heute möchte das Kind unbedingt aus meinem großen Glas trinken und zwar dauernd und nur daraus. Ich bin beeindruckt, wie stark sie solche Wünsche schon kommunizieren kann und neige dazu mich darauf einzulassen. Dann wird ihr das Sitzen zu langweilig, wir lassen sie am Boden herumkrabbeln und zum Glück unterstützt K. mich und läuft ihr auch immer wieder mal hinterher und holt sie zurück. Die anderen Menschen reagieren sehr positiv auf sie. Lächeln sie an, sie grinst zurück.

Ich bin so müde, es fällt mir schwer auf das Kind zu achten und K. zuzuhören. Ich denke gleichzeitig wie unhöflich das ist. Nach dem Essen gehen wir einkaufen und andere Besorgungen erledigen. Das Kind bleibt glücklicherweise ohne Jammern im Kinderwagen sitzen. Bis sie hungrig ist. Es ist weit und breit keine Parkbank in Sicht auf der ich sie füttern könnte. Also lasse ich sie im Kinderwagen und füttere sie im Stehen.

17:30: Wir sind zu Hause. Das Kind ist nun schon sehr müde und die für mich schwierigsten Stunden des Tages beginnen. Sie braucht meine ganze Aufmerksamkeit, ich habe aber nicht mehr die Energie mich so intensiv um sie zu kümmern. Ich versuche also immer wieder eine Weile mit ihr zu spielen, sie dazwischen zu wickeln, nebenbei Essen zu machen, zu lesen, aufs smartphone zu schielen,…. Sie kommt dauernd hergekrabbelt und möchte hochgehoben werden. Hebe ich sie hoch, krabbelt sie auf mir herum und bleibt keine Sekunde ruhig.

19:00: Ich bade sie, oder versuche es zumindest. Ein letztes Mal Aus- und Anziehen für diesen Tag. Sie steht in der Badewanne ständig auf, will immer in den Waschlappen beissen. Patscht ganz wild ins Wasser und kommt auch hier keine Sekunde zur Ruhe. Dann das übliche Gejammer beim Anziehen. Danach Flächschen geben und im Bett noch etwas kuscheln. Sie schläft alleine ein. Nein, heute nicht. Sie ist noch unruhig und ich muss noch 3-4 Mal zu ihr ins Zimmer gehen um sie zu beruhigen.

21:00: Das Kind schläft. Jetzt noch zumindest das Fläschchenen waschen, den Geschirrspüler einräumen, das große Spielzeugchaos etwas minimieren. All die andere Hausarbeit verschieben.

21:30: Feierabend (natürlich mit Bereitschaft, ein Ohr immer am Babyphone). Ich stricke und schaue Videos.

24:00: Auch dieser Tag geht zu Ende. Ich gehe schlafen.

RESÜMEE:

Ziel dieses Protokolls war es auch mir Gedanken darüber zu machen, wieviel Zeit von diesen 24 Stunden ich als Arbeit betrachte. Mein Nachdenken darüber ist nicht abgeschlossen. Zumindest 16 Stunden würde ich sagen, eher aber mehr. Wirklich frei hat mensch an so einem Tag nie. Denn auch im Schlaf ist ein Ohr beim Kind. In Erwerbsarbeitsverhältnissen wird das als Bereitschaftszeit bezeichnet. Ich würde mich freuen, wenn sich in den Kommentaren eine Diskussion darüber entwickelt.

Auf science.orf.at gibt es derzeit einen Bericht von Cornelia Koppetsch über ihre Studie zur gleichberechtigten Hausarbeitsverteilung in heterosexuellen Paarbeziehungen. Ist doch gut, wenn die “Sphäre” privater Haushalt Gegenstand von Forschungsarbeiten wird und es dafür offensichtlich auch Geld gibt, denke ich mir vor dem Lesen.

Doch der Text lässt mich frustriert zurück. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Bericht reproduziert, was er eigentlich kritisieren will (oder meiner Ansicht nach soll): Frauen werden dafür verantwortlich gemacht, dass sie nicht in der Lage sind ihre Partner dazu zu bringen, mehr Hausarbeit zu übernehmen bzw. noch schlimmer, dass sie sich diese Situation jetzt auch noch “schönreden” (müssen), weil es ohnehin keinen Ausweg zu geben scheint.

Damit trägt der Artikel (und auch die Studie?) zur Individualisierung und Privatisierung eines Problems bei, dass kollektiviert und politisiert werden muss. Und er trägt auch dazu bei, dass Männer es sich weiterhin aussuchen können, solange bis “die Frauen” endlich eine Lösung für “ihr” Problem gefunden haben.

Foto: healthland.time.com

Doch werfen wir einen Blick auf den Text und die Stellen, die mich diese Behauptung aufstellen lassen. Vor allem die Darstellung der Beispiele erachte ich als problematisch. Da wird berichtet von Heiko und Brigitte. Heiko ist derzeit in Erziehungsurlaub, während Brigitte Vollzeit arbeitet. Im Text klingt das dann so:

“Dann hilft er mit”.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Was Heiko als Übernahme “des ganzen Programms” der Hausarbeit bezeichnet, ist lediglich ein bestimmter Ausschnitt. Brigitte über das morgendliche Ritual: “Dann ziehe ich sie an, mach Frühstück, und dann müssen die Kinder fertig gemacht werden, da hilft dann aber Heiko, wenn er denn aufwacht.” Bevor Heiko sich morgens rührt, hat seine Frau bereits das meiste erledigt. Geändert hat sich nur, dass sie den Tisch nicht mehr abräumt, bevor sie geht – eigentlich eine Selbstverständlichkeit bei der neuen Rollenverteilung. Trotzdem sagt Brigitte: “Das ist jetzt ein bisschen eine privilegierte Situation, weil er zu Hause ist.”

Überspitzt gesagt, wird hier eine naive Frau dargestellt, die meint ihr Mann übernehme einen angemessenen Teil der unbezahlten Versorgungsarbeit und in Wahrheit liegt er auf der faulen Haut herum, während sie sich abrackert. Doch dann kommt zum Glück eine Forscherin und analysiert für die Frau, wie “die Wirklichkeit” wirklich aussieht.

In dem (übrigens im gesamten Text) überwiegend Frauen zitiert werden, wird ihnen das Problem in den Mund gelegt und ihre scheinbare Hilflosigkeit unterstrichen. Koppetsch kommentiert die Situation von Heiko und Brigitte folgendermaßen:

Brigitte findet all das “nicht problematisch”. Formulierungen wie “dann hilft er auch mit” sind darauf ausgelegt, die jetzt erreichte Gleichverteilung der häuslichen Arbeiten hervorzuheben. Dennoch wird deutlich, dass diese Dinge nach wie vor in den Zuständigkeitsbereich der Frau fallen.
Auch andere Paare unterliegen der Illusion, dass ihre Beziehung von einer Praxis der Gleichheit bestimmt sei.

Interessant an dieser Stelle ist der Wechsel von “Brigitte” zu “auch andere Paare” – und das ist es, was ich dem Text besonders anlaste. Er spricht nicht von den Männern und er spricht nicht von Geschlechterhierarchien oder männlichen Privilegien, er spricht von “Paaren” die einer “Illusion unterliegen”, meint dabei aber “Frauen, die einer Illusion unterliegen.”

Die Situation wird so dargestellt, als ob zwei gleichberechtigte, unabhängige Verhandlungspartner_innen vor der Aufgabe stünden, Arbeit gleichberechtigt zu verteilen. Beide sind daran interessiert, dass diese Verteilung gerecht abläuft, also jede_r zu gleichen Teilen Arbeit übernimmt. Die Ausverhandlung passiert, wie in einem Spiel, in einem fiktiven Raum ohne gesellschaftlichen Kontext. Trotz all der Bemühungen endet es aber immer wieder so, dass eine Person mehr Arbeit abbekommt. Doch anstatt gegen diese Ungerechtigkeit zu kämpfen fügt sich diese Person und findet für sich selbst naive Begründungen, warum das schon in Ordnung sei. Dann kommen wissende Forscherinnen und zeigen dieser Person auf, dass sie eigentlich ziemlich naiv ist. Zufälligerweise ist diese Person immer die Frau.

Diese Art der Darstellung bringt uns meiner Ansicht nach keinen Schritt weiter in der Lösung des eigentlichen Problems (und dazu sollte Forschung doch beitragen, nicht wahr?).

Die Fragen, die die Autorin stellt sind dabei teilweise durchaus vielversprechend. So zum Beispiel diese hier:

Wo liegen die Gründe dafür, dass Paare trotz des Anspruchs partnerschaftlicher Gleichheit traditionellen Rollenmustern verhaftet bleiben?

Ja, darauf hätte ich gerne eine Antwort, die auch Lösungsansätze parat hält. Frau Koppetsch bietet folgende:

Ein wesentlicher Grund dafür besteht in der Tatsache, dass die Wirklichkeit des Paares weniger durch Absichtserklärungen und Entscheidungen, sondern im Wesentlichen auf der Ebene der etablierten Alltagspraxis, das heißt der inkorporierten Gewohnheiten und Praktiken, begründet wird.

Das ist ziemlich abstrakt, aber damit kann ich zumindest etwas anfangen. Eine mögliche Handlungsweise inkorporierten Gewohnheiten und Praktiken zu entgehen stellt KhaosKind in ihrem Blogeintrag als Reaktion auf den Artikel von Koppetsch hier dar.

Was die Forschung in dieser Hinsicht betrifft, wünsche ich mir, dass wir endlich auf die Seite der Männer schauen und dass das “Problem” gesellschaftlich kontextualisiert betrachtet wird. Ich wünsche mir Forschung darüber, welche Strukturen und gesellschaftlichen Kontexte es möglich machen, dass Männer sich in der Sphäre des Privaten, vor der Hausarbeit drücken können (und dabei bitte nicht die Schuld bei den Frauen suchen). Ich wünsche mir Forschung darüber, wie männliche Solidarität in dieser Hinsicht funktioniert, welche Diskurse und Narrative es dazu gibt und wie Männer, die ihren Part nicht übernehmen, in der Lage sind ihr Handeln mit ihrem Gerechtigkeitsempfinden in Einklang zu bringen.

Und ich wünsche mir, dass Männer dieses Problem als “ihres” annehmen, dazu forschen, sich dazu öffentlich äußern und mit ihren Freunden darüber diskutieren.

Auch Frauen sollten sich weiterhin darüber austauschen und nicht verstummen. Ich nehme in meinem Umfeld wahr, dass Frauen immer weniger darüber diskutieren und ihren Frust weniger äußern. Mit zunehmendem Alter und meist damit verbundenen anderen Lebensentwürfen (in der WG war das Einfordern eines Putzplans noch selbstverständlich, aber in einer Paarbeziehung?) wird auch weniger darüber entsprochen. Doch wir sollten darüber sprechen, uns austauschen und bestärken und uns gegenseitig ermutigen einen neuen Weg zu gehen.

Im April war Barbara Duden bei den Wiener Vorlesungen zu Gast. Das ging leider an mir vorüber. Zum Glück gibt es eine Aufzeichnung davon, die derzeit auf ORFIII online zu sehen ist. Barbara Duden erläutert in ihrem Vortrag warum ihrer Ansicht nach die Rhetorik von Politiker*innen, vor allem auch von EU Politiker*innen janusköpfig sei, wenn es um Frauenförderung und Gleichstellung geht. Die Rhetorik ist nur scheinbar frauenfreundlich und verspricht Gleichheit, die politische Umsetzung verfolgt aber ganz andere Ziele. Es werde zum Beispiel sehr viel von der Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen gesprochen, de facto gingen die ökonomischen Umstrukturierungen der letzten Jahre aber weitgehend zu Lasten von Frauen.

Foto: tvthek.orf.at

Wenn darauf hingewiesen wird, dass die Erwerbsquote von Frauen wieder gestiegen sei und daran Emanzipation festgemacht wird, empfindet sie das als heuchlerisch. Wurden doch die existenzsichernden Erwerbsarbeitsverhältnisse in den letzten Jahren immer weniger.

Dudens Mitdiskutantin Bettina Haidinger (sie soll offensichtlich die junge Feministin, die Barbara Duden gegenübergestellt wird, repräsentieren) wird gegen Ende der “Vorlesung” von Moderator Christian Ehalt gefragt, wie denn junge Frauen die Entwicklung der Frauenbewegung sehen würden. Ihre Antwort:

“Nicht dass es nur keine Frauenbewegung mehr gibt, wobei ich auch vorsichtig wäre mit dem Wort Frauenbewegung, weil es ja viele Frauenbewegungen gegeben hat und das ja kein Einheitsding ist, aber es gibt ja überhaupt keine relevanten sozialen Bewegungen mehr.”

Es ist schade, dass sie das so gesagt hat, denn es gibt eine sehr lebendige feministische Bewegung in Österreich und ich finde es kontraproduktiv, wenn Feministinnen die Gelegenheit davon zu erzählen nicht nutzen!

Damit zumindest ich hier die Gelegenheit mal wieder nutze, sei zum Beispiel (Achtung, sehr kleine subjektive Auswahl!) auf die 20000Frauen verwiesen, oder auf das Frauencafe (FC Feminista), oder auf so tolle Projekte, wie die Frauensommeruni oder das Frauenfußballturnier “Fußballade” oder das Musikfestival “rampenfiber” – die alle kommenden September in Wien stattfinden.

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