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Heute in einer Bipafiliale. Ich möchte einen Gutschein für eine Babybox einlösen.

Die Verkäuferin fragt mich: “Ist das ein Bub oder ein Mädchen?”

Ich: “Ein Mädchen.”

Sie: “Blöd, denn ich habe nur die Box für Buben da.”

Ich sage ihr, dass sei egal und sie solle mir doch einfach die Box für Buben geben. Sie erklärt mir, dass gehe nicht, denn sie kann auf meine KundInnenkarte nur die Box für Mädchen buchen. Auf der Karte sei gespeichert, dass mein Kind ein Mädchen ist. Die Bubenbox lässt sich daher nicht “drüberziehen”. Ich bin erstmal sehrh überrascht, wie viele Daten die von uns haben, aber da hätte ich mich wohl von Anfang an nicht zu dieser KundInnenkarte hinreißen lassen dürfen.

Die Verkäuferin findet das mit der Buben- und Mädchenbox dann scheinbar selbst ziemlich skurril und drückt mir das Ding in die Hand. Ich bin neugierig, was sich denn in der Bubenbox so bubenmäßiges befindet.

Zuhause lüftet sich das Geheimnis:

Ich weiß nicht, was davon für Buben und nicht für Mädchen bestimmt sein soll. Das liegt aber bestimmt auch daran, dass wir die Bubenbox für ein Mädchen bekommen haben und nicht umgekehrt. Denn sogenannte Bubensachen wirken ja normalerweise geschlechtlich “unmarkiert” oder “neutral”, während sogenannte Mädchensachen extrem geschlechtlich markiert wirken und sie einem Buben nicht zuzumuten sind.

Am meisten erstaunt mich an dieser Geschichte, wie viel Aufwand von Seiten eines Unternehmens betrieben wird um schon bei den Allerkleinsten zwischen den Geschlechtern zu unterscheiden. Von der Datenspeicherung bis zum Kassensystem ist alles darauf ausgerichtet, dass der Unterschied zwischen den Geschlechtern eingehalten wird.

Nach diesem Erlebnis tut es mir doppelt Leid, dass ich Ihnen meine Daten gegeben habe.

Ich war schon überrascht, als ich gehört habe, dass es so etwas wie eine “Frauenmilchsammelstelle” gibt. Hier wird Muttermilch von Frauen, die “mehr Milch haben, als ihr Kind benötigt” abgeholt und dann per “ärztlicher Verordnung” an Babys verteilt.

Aber noch überraschter war ich, als ich von den Ammen der Gegenwart gelesen habe:

Claire Gordon schreibt in der Huffington Post:

Wet nursing is a growing industry too, but a mostly invisible one

Die Huffington Post berichtet auch über die Agentur “Certified Household Stuffing” in Los Angeles, die “wet nursing” bereits vor ca. 10 Jahren in ihr Angebot aufgenommen hat.

Foto: http://skinship.typepad.com

Könntealso eine Amme die Lösung für alle Stilldilemma sein?

feministe hat sich schon 2008 kritisch mit dieser Frage auseinandergesetzt. Frauen, die Ammen mieten, werden in dem Artikel klar verurteilt.

Women of privilege hire wet nurses because they want to continue working, and provide the best possible nutrition for their child.  That this is exploitation, so that they can achieve their goals is something that is not considered.

Ist es per se Ausbeutung eine Frau für das Stillen eines Kindes zu bezahlen?

Mich erinnert die Debatte ein wenig an die Diskussionen rund um das Thema Leihmutterschaft. Sie wird in Europa viel negativer bewertet (und ist in 15 der 27 EU Staaten verboten) als in den USA. Auch Ammen gibt es meines Wissens in Europa offiziell bisher nur in Großbritannien.

Doch auch wenn meiner Ansicht nach eine Frau, die mit dem Stillen eines fremden Babys Geld verdient, nicht unbedingt eine ausgebeutete Frau sein muss, würde ich doch eher zur Milchflasche greifen als zur Ammenbrust.

Die Columbia Business School kommt in ihrer Studie “Like Daughter, Like Father: How the Gender of a CEO’s Children Influences Employees’ Wages” zu dem Schluss, dass männliche Geschäftsführer, die Vater einer Tochter sind, ihre weiblichen Angestellten gerechter bezahlen. Das gelte vor allem für Unternehmen mit weniger als 50 Angestellten, denn hier haben Geschäftsführer größeren Einfluss auf die Gehälter ihrer Mitarbeiter_innen, als in größeren Unternehmen.

Details nachzulesen gibt es hier.

 

Das liegt daran, dass es seit Jänner 2010 das “einkommensabhängige Kinderbetreuungsgeld“  in Österreich gibt. Eltern in Karenz beziehen für 14 Monate (sofern beide Elternteile Elternkarenz nehmen, sonst nur 12 Monate) 80% ihres Einkommens, oder mindestens 1000€ und maximal 2000€ pro Monat.

In unserem Fall, wie statistisch in den meisten Fällen, ist mein Einkommen niedriger als seins. Das war mit ein Grund, warum wir entschieden haben, dass der Mann 9 Monate lang Vollzeit das Kind betreut und ich 5 Monate lang.

“Wir können uns das nicht leisten” sollte also nicht länger die vorrangige Begründung sein, warum sich so wenige Väter für Elternkarenz entscheiden. Die Zahl der Väter in Karenz ist in letzter Zeit auch gestiegen, aber noch immer sehr gering.

2010 gab es insgesamt 147.546 Kindergeldbezieher_innen, darunter 6.713 Männer. Von diesen Vätern entschieden sich nur 501 für die einkommensabhängige Variante

(Quelle: Statistik Austria).

2011 war das intensivste Jahr meines bisherigen Lebens.

In den ersten Wochen war ich vor allem mit der Organisation von KnitHerStory – dem genialsten Guerilla Knitting Projekt zu 100 Jahre internationaler Frauentag beschäftigt. Die Arbeit dafür war unglaublich – das Ergebnis am 19. März 2011 auch!

Ab März drehte sich dann fast alles ums Schwangersein. Anfänglich gekenntzeichnet von Dauerübelkeit, ging das auch nicht anders. Nie zuvor hat mich etwas so sehr an meine Belastungsgrenze gebracht wie diese Übelkeit und die damit verbundene Hilflosigkeit.

“Wie fühlt man sich als Dekonstruktivistin, wenn sich der Körper plötzlich so eindringlich bemerkbar macht?” So, oder so ähnlich hat meine Masterarbeitsbetreuerin meine Situation kommentiert.

Nach acht Wochen hörte die Übelkeit zum Glück so plötzlich auf, wie sie gekommen war und ich konnte wieder mehr oder weniger klar denken und mich meiner Masterarbeit widmen.

Im Sommer arbeitete ich panisch an ihrem Abschluss. War ich doch von dem Gedanken getrieben, dass ich mit Kind nichts mehr weiterbringen werde. Auch wenn sich das zunehmend als falsche Befürchtung herausstellt, hatte diese Angst ihr Gutes. Hat sie doch dazu geführt, dass ich die Arbeit tatsächlich abgeschlossen habe.

Parallel dazu hatte ich das Gefühl, dass ich mich unglaublich zeitintensiv aufs Muttersein vorbereiten muss. Ich war nicht gerade entspannt in dieser Hinsicht. Das einzige, was mir im Nachhinein gesehen etwas gebracht hat (abgesehen von der Lektüre davon) und ich sowieso schon lange hier empfehlen wollte, war dieser Geburtsvorbereitungskurs mit “Väterschwerpunkt”. Geleitet von einer Frau und einem Mann, (fast) ohne Atemübungen und Hecheltechniken, dafür mit Fragen wie: “Wie sieht die Arbeitsteilung in der Beziehung nach der Geburt aus?”

Anfang November war sie dann da, unsere Tochter. Ich weiß nicht, was genau bewirkt hat, dass alles nicht einmal halb so schlimm war, wie erwartet. Die Gedanken über die Arbeitsteilung, die fertige Masterarbeit, der Vaterurlaub des Mannes oder die Unterstützung von Familie und Freund_innen? Vermutlich vor allem die zunehmende Gelassenheit.

Die letzten Wochen des alten Jahres waren schließlich ganz dem Einleben mit Kind gewidmet und das war gut so.

2012 wird mindestens genauso intensiv und darauf freue ich mich!

Besonders Allergikerinnen wird nahegelegt zu stillen. Je länger umso besser. Ich leide an Katzen- und Hausstauballergie und kann normalerweise ganz gut damit leben. Hin und wieder, zum Beispiel wenn ich meine Eltern besuche, die einen Kater haben, werfe ich eine Tablette ein.

Zu Weihnachten ist so ein Fall. Ich gehe also in die Apotheke um mir ein stillverträgliches Antiallergikum zu besorgen und muss erfahren: es gibt keins.

Hm? Bedeutet das, dass alle stillenden Allergikerinnen während der Stillzeit heldinnenhaft ihre allergischen Reaktionen ertragen? Das gleiche gilt wohl für diverse andere Krankheiten, wie etwa Neurodermitis.

Der Apotheker verkauft mir schließlich doch ein Medikament und meint es wird schon nichts passieren.

Später schlucke ich die Tablette und fühle mich schlecht dabei.

Wieder einmal bin ich überrascht, wie wenig bei all der Stillbefürwortung an das Wohlbefinden der Mütter gedacht wird.

Was hat Stillen mit Feminismus zu tun? Die meisten Menschen würden wohl sagen “gar nichts” oder wie Erna von der Mädchenmannschaft hier festgestellt hat – wenn frau stillt hat der Feminismus quasi Pause:

“Das Ende ist in Sicht und danach geht es wieder „feministisch“ weiter – wenn man so will.”

Mir fällt diese Abgrenzung nicht so leicht und ich versuche wieder einmal alles unter einen Hut zu kriegen, das Stillen und die feministische Lebenshaltung.

Angefangen hat ja alles schon viel früher. In der Schwangerschaft stand die Entscheidung für ein Elternkarenzmodell an. Der Mann und ich wollten uns die Zeit aufteilen und schnell war klar: wenn ich mich nicht von vornherein gegen das Stillen entscheide, gehören die ersten Monate mir. Gut, dachte ich damals, deshalb muss ich ja noch lange nicht meine schönen Vorstellungen von “equal parenting” über Board werfen. Wir nehmen Elternzeit hintereinander (andere Kinderbetreuungsmodelle gibt es in Österreich ohnehin nicht) und verbringen seine Freizeit gemeinsam mit dem Kind. So ist es nun auch. Der Mann hat zusätzlich seine Stunden reduziert und das funktioniert alles soweit ganz gut.

Einziger Haken: ich kann nicht weg. Ich lebe im 3 Stunden Rhythmus und das macht mich bisweilen ziemlich unruhig und ich bin mitunter sehr eifersüchtig auf den Mann, weil er trotz Kind “frei” sein kann. Ich kann nicht weg, das bedeutet ich kann nicht länger als 3 Stunden ohne Kind sein. Inklusive Fahrzeit kann ich mich also max. 1,5 Stunden irgendwo aufhalten.

Ich weiß, jetzt kommt die schöne Geschicht von der Freiheit, die eine Milchpumpe mit sich bringt. Doch was soll ich von dieser Freiheit halten? Zuerst ringt frau sich mühsam eine Portion Muttermilch ab und wenn sie dann weg ist, kämpft sie mit Milchüberschuss und drohendem Milchstau. Nicht gerade eine befreiende Lösung. Und dass es möglich ist Stillen und Berufstätigkeit zu vereinen, halte ich mittlerweile für einen Mythos. Oder könnt ihr euch diese Kollegin im Büro (oder an sonst einem Arbeitsplatz) vorstellen?

Mein Stilldilemma Nummer 1 ist deshalb: Stillen schränkt total ein, Abpumpen ist auch keine Lösung und Abstillen will ich (noch) nicht. Den nächsten Versuch den wir starten werden: Brust und Flaschennahrung. Bin gespannt wie das endet.

Fortsetzung meiner weiteren Stilldilemmata folgt.

Bild gesehen bei bluemilk

So sah Legowerbung 1981 aus. Bisher begegnete mir (nach meiner eigenen Kindheit) Lego nur beim Geschenkebesorgen für andere Kinder. Es ist nahezu unmöglich eine Packung zu finden, in der nicht diverse Geschlechterklischees miteingepackt sind. 1981 scheint das noch anders gewesen zu sein. Da war Lego noch Bausteine und das Mädchen mit dem “schau was ich tolles gebaut habe”-Blick hat von den Plakaten gelächelt. Ich wünsche mir auch 2011 solche Mädchen in der Werbung.

In der aktuellen Kampagne der Generali Versicherung “Um zu verstehen muss man zuhören” werden Menschen “so real, natürlich, berührend und authentisch wie möglich” dargestellt. Darunter auch eine Mutter. Sie beschreibt ihren Alltag so:
“Ich muss 24 Stunden für das Kind da sein. Ich muss mein Ego komplett zurückstellen, hab überhaupt nichs mehr zu melden, bin ein Futterlieferant, ein Sklave.”
Dabei lächelt sie strahlend in die Kamera.

Ist sie verrückt? Ist das Ironie? Vielleicht kann mich mal jemand aufklären.

Heute verbringen Klein_W und ich unseren ersten Tag zu zweit. Der Mann ist nach drei Wochen Papaurlaub wieder an seinen Schreibtisch zurückgekehrt. Der Abschied ist ihm sichtlich schwer gefallen. Er meinte ja, er könne ewig so weiterleben.

Vor mir liegen fünf Monate in erster Linie Mutter- und Hausfrausein, die zum Glück ganz entspannt beginnen. Die Ruhe am Vormittag habe ich gleich genutzt um mich mal wieder durch die Blogwelt zu klicken und bin dabei auf allerhand Spannendes gestoßen.

Die Denkwerstatt hat dankenswerterweise die Coverstory der letzten Profilausgabe “Traumberuf Hausfrau?” kommentiert. Hat das Profil eigentlich dauernd Sommerloch, oder warum diese immerwiederkehrende Sensationslust an der angeblichen Geschlechterdifferenz?

Glücklichscheitern schreibt unter dem Titel “Mutterliebe” über das in Krankenhausserien dargestellte Phänomen, sich im Zweifelsfall bei einer schwierigen Geburt für das Leben des Kindes und nicht für das Leben der Mutter zu entscheiden. Ich habe den Eindruck, dass diese Ideologie tatsächlich irgendwo da unten in unserer Gesellschaft schlummert.

Und es gibt einen tollen neuen Blog auf diestandard.at, den ich euch ans Herz legen möchte – Mama’s Digest. Angeregt von der dort erschienenen Kritik zum Film “Working Mum” hab ich mir am Wochenende den Film selbst angeschaut. Ergebnis: ich würde die Finger davon lassen. Sarah Jessica Parker lebt in dem Film das Leben, das wir alle nicht haben wollen. Sie ist das Idealbild der dauergestresste Mutter und Karrierefrau, die sich dauernd bei ihren Kindern und ihrem Partner entschuldigt und keine einzige Minute für sich selbst hat. Dabei versichert sie allen ständig, wie schön es nicht sei Kinder zu haben und wie wichtig und erfüllend gleichzeitig ihr Job sei. So weit ist uns dieses Dilemma bekannt. Das traurige an dem Film: Es gibt keinen Ausweg. Für mich verbreitet der Film einmal mehr die Botschaft “Du musst dich entscheiden, Kind oder Karriere, denn wenn du beides willst, wirst du so enden wie Sarah Jessica Parker in Working Mum.”

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