Filmtipp: „Tomboy“ von Celine Sciamma

Letzte Woche lief „Tomboy“ bei der Viennale. Ein Film über zwei Schwestern, Laure und Jeanne. Laure ist zehn und Jeanne ist sechs Jahre alt. Sie sind mit ihren Eltern gerade in eine neue Stadt gezogen und Laure entschließt von nun an „draußen“, bei den anderen Kids, Mikael zu sein.
Ein Film über Eltern, die das „boyish sein“ von Laure innerhalb der Familie nicht in Frage stellen, jedoch eingreifen, als sie erfahren, dass sich Laure draußen als Mikael ausgibt.
Auch als Zuseherin war mir Unwohl bei dem Gedanken, dass Mikael schließlich „auffliegen“ wird. Ich hatte Angst vor den Reaktionen der anderen Kinder, beim Schwimmen, beim sich Annähren an ein anderes Mädchen.
Ein Film, der das Thema Geschlechterrollen (von Kindern) überraschend pragmatisch und ohne Theoretisierung ins Blickfeld rückt. Sehr empfehlenswert!
(Filmstart in Österreich leider noch unklar)

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Mutterschutzsbestimmungen – Eine Gradwanderung zwischen Schutz und Diskriminierung?

Im Oktober 2010 hat das europäische Parlament eine Resolution verabschiedet, in der 20 Wochen voll bezahlter ‚“Mutterschaftsurlaub“ (statt bisher 14 Wochen) sowie ein zweiwöchiger verpflichtender Vaterschaftsurlaub gefordert werden.

Die Entscheidung des europäischen Rates zu dieser Frage ist nach wie vor ausständig. Die Berichterstatterin der Mutterschutz-Richtlinie im Parlament, die portugiesische Sozialdemokratin Edite Estrela, hat nun  in einer mündlichen Anfrage den Rat zur Stellungnahme aufgefordert. Es soll wieder Bewegung in die Sache kommen. Die Mädchenmannschaft berichtet heute ausführlicher darüber.

Die österreichischen Parteien ÖVP und SPÖ sprachen sich im Oktober 2010 deutlich gegen die Veränderungen der Mutterschutzrichtlinie aus, mit den Argumenten, das österreichische System sei besser (SPÖ), bzw. die Umsetzung sei zu teuer und verschlechtere zudem die Situation von weiblichen Arbeitskräften (ÖVP).

Schutzbestimmungen für schwangere Frauen und Mütter am Arbeitsplatz – eine Gradwanderung zwischen Schutz und Diskriminierung?

Das derzeit gültige österreichische Mutterschutzgesetz regelt im Wesentlichen drei Bereiche (neben den Karenzbestimmungen): den Verwendungsschutz, den Entgeltschutz und den Kündigungsschutz von schwangeren Frauen und Müttern am Arbeitsmarkt.

Hinsichtlich Verwendungsschutz sind ArbeitgeberInnen dazu verpflichtet, eine sogenannte Mutterschutzevaluierung durchzuführen. Sobald eine Arbeitnehmerin schwanger ist, darf sie mit bestimmten Tätigkeiten nicht mehr beschäftigt werden (z.B. chemische Giftstoffe, besondere Belastungen, Nachtarbeitsverbot, Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit) und ihr Arbeitsplatz muss dementsprechend umgestaltet werden, bzw. muss sie freigestellt werden, insofern eine Umgestaltung nicht möglich ist.

Die EU schreibt in der sog. Mutterschutzrichtlinie fest, dass „der Schutz der Sicherheit und der Gesundheit von schwangeren Arbeitnehmerinnen, Wöchnerinnen und stillenden Arbeitnehmerinnen Frauen am Arbeitsmarkt nicht benachteiligen darf“. Zu oben genannten Verwendungsschutzbestimmungen stellt sich die Frage, inwiefern Entgelteinbußen durch das Nachtarbeitverbot oder das Verbot der Sonn- und Feiertagsarbeit keine Benachteiligung darstellen. Und es stellt sich grundsätzlich die Frage, mit welcher Begründung Nachtarbeit bzw. Sonn- und Feiertagsarbeit für schwangere Frauen „schädlicher “ ist als für nicht schwangere.

Bzgl. Entgeltschutz wird in Österreich eine bezahlte Mutterschutzzeit von insgesamt 16 Wochen vorgeschrieben (8 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt). Für diese Zeit besteht ein Arbeitsverbot. Schwangeren Frauen wird es in  dieser Zeit gänzlich verboten zu arbeiten. Dabei handelt es sich um die einzige mir bekannte Bestimmung, in denen ArbeitnehmerInnen aufgrund ihres körperlichen Zustandes verboten wird zu arbeiten.

Mir ist bewusst, dass die Regelung Frauen vor einer unterlegenen Position in Verhandlungen mit „übermächtigen“ ArbeitgeberInnen schützen soll und auch der Erholungsbedarf vor und nach einer Geburt ist nicht von der Hand zu weisen.

Dennoch halte ich es für diskussionswert, inwiefern es auch als diskriminierend empfunden werden kann, für ca. 4 Monate vom Arbeitsplatz sozusagen ausgeschlossen zu werden, ohne jegliches Mitspracherecht den eigenen Gesundheitszustand betreffend.

Und wo ist das Vaterschutzgesetz? Bzw. sollte es nicht ein Elternschutzgesetz geben?

Hinsichtlich der Diskussion um die Einführung von Vaterschaftsurlaub stelle ich mir schon länger die Frage, warum es eigentlich kein Vaterschutzgesetz gibt und komme dabei immer wieder auf meine Vermutung, dass das Mutterschutzgesetz ja scheinbar auch das ungeborene Kind und die Mutter-Kind-Beziehung nach der Geburt schützen soll und nicht nur die Rechte der schwangeren Arbeitnehmerin.

Ich stelle mir ein Elternschutzgesetz spannend vor. Ich denke, die Diskussion eines solchen würde auch die medizinischen und biologischen Vorannahmen den weiblichen Körper betreffend, die sich im Mutterschutzgesetz an mehreren Stellen wiederfinden, neu thematisieren und das hielte ich für begrüßenswert.

Zum Weiterlesen: Für alle, die sich für die Judikatur des EuGH zu diesem Thema interessieren:

Rechtssache Mayr gegen Flöckner OHG: Frau Mayr beanspruchte Kündigungsschutz wegen Schwangerschaft bei künstlicher Befruchtung, vor einsetzen der Embryos.

Rechtssache Hofmann – ein Vater beantragte Mutterschaftsurlaub und Mutterschutzgeld, wurde vom Hamburger Sozialgericht abgewiesen und vom EuGH bestätigt

Sehen wir uns noch?

Seit Tagen fühle ich mich wie auf einer Abschiedstour. Alle wollen sich noch von mir verabschieden. Ich mich eigenartigerweise auch.

Die Freundin noch auf einen Kaffee treffen. Einmal noch alleine spazieren gehen.

Abschied, nicht nur von Menschen, sondern auch von Aufgaben, Projekten, Orten und besonders, dem Schwangersein selbst. Abschied von einem Lebensabschnitt, der sich seit 9 Monaten verabschiedet.

Es fühlt sich an, wie vor einer Reise auf unbestimmte Zeit, von der ich nie wieder als dieselbe zurückkomen werde. Dabei werde ich nie weggewesen sein.

Männer tendieren eher zu Kaiserschnitten?

Sonntagsfrühstück und ich stolpere über ein Interview mit dem österreichischen Gesundheitsminister Alois Stöger. Es geht um seine durchaus progressive Haltung zu rechtlichen Bestimmungen der künstlichen Befruchtung.

Abschließend wird er gefragt, wie er sich die im internationalen Vergleich in Österreich sehr hohe Kaiserschnittrate (das Thema scheint mich zu verfolgen) erklärt. In seinen Antworten stellt er überraschende Vermutungen an. Hier der Interviewausschnitt:

Standard: Auch bei Kaiserschnitten liegt Österreich mit 28 Prozent weit über dem EU-Durchschnitt. […] Warum ist die Rate so hoch? Fordern die Frauen das ein, oder forcieren es die Spitäler?
Stöger: Ich meine, dass man das Leben in ein Zeitschema pressen möchte und am Wochenende keine Geburten haben will. Daher plant man sie. Das kann der Arzt oder das Krankenhaus sein.
Standard: Hat das auch damit zu tun, dass Spitäler für einen Kaiserschnitt mehr Geld bekommen?
Stöger: Das könnte eine Rolle spielen – ebenso wie die Tatsache, dass Frauen, die per Kaiserschnitt entbinden, länger Wochengeld bekommen.
Standard: Auch ein Kaiserschnitt ist nicht gerade ein Spaziergang. Glauben Sie wirklich, dass sich das so viele Frauen wünschen?
Stöger: Es ist eine Frage der Aufklärung. Wir wollen zum Diskurs anregen – finanzielle oder terminliche Überlegungen sollten keine Rolle spielen.
Standard: Hielten Sie es für sinnvoll, Kaiserschnitte für ein Krankenhaus anders zu vergüten?
Stöger: Ich könnte mir vorstellen, die Vergütung pro Krankenhaus bei 15 Prozent zu deckeln, falls es wirklich am Geld liegt. Ein Expertengremium soll mir erklären, warum es in Österreich Krankenhäuser gibt, die 35 und mehr Prozent Kaiserschnitte haben. Möglicherweise stimmt auch das Verhältnis von Frauen und Männern in der Geburtshilfe nicht.
Standard: Sie meinen, Männer tendieren eher zu Kaiserschnitten?
Stöger: Ja, ich würde sagen, der männliche Zugang zu Medizin ist ein anderer. Lässt man Leben einfach zu, oder will man es in einer Zeittabelle unterbringen? Da geht es um Kontrolle des Lebens.
(DER STANDARD, Printausgabe 15./16.10.2011)

Neben den immer wieder diskutierten Ursachen (mehr Geld für die Spitäler, bessere Planbarkeit etc.)  sind hier zwei Dinge für mich neu:

1.Die Unterstellung, Frauen wollen einen Kaiserschnitt, weil sie dann (2 Wochen!) länger Wochengeld beziehen.

2. Die Pauschalisierung, Männer tendieren aufgrund ihres biologischen Geschlechts dazu, Leben kontrollieren zu wollen und neigen deshalb (mehr als Gynäkologinnen?) zu Kaiserschnitten.

Ist das nicht alles ein bisschen zu einfach? Ich will hier nicht die ganze Debatte neu aufrollen, musste nur kurz meinem Bedürfnis nachgeben, mein Erstaunen über solch undifferenzierte Erklärungen kundzutun…

Was wirds denn? Zur Anrufung des sozialen Geschlechts

Im August 2011 ging die Geschichte eines kanadischen Paares durch die Medien, das sich dazu entschieden hatte, das Geschlecht ihres jüngsten Kindes nicht bekannt zu geben (auch österreichische Medien, z.B. die.standard.at berichteten).

Witterick und Stocker begründen ihre Entscheidung mit dem Recht des Kindes, sich irgendwann selbst für ein Geschlecht entscheiden zu können. Bis dahin soll Storm ohne geschlechtliche Rollenzuschreibungen leben. Die Familie will damit einen gelebten Beitrag zur Dekonstruktion der Geschlechter leisten.

Dass diese Vorgehensweise viel aufwändiger ist, als das „normale“ sich Anpassen, dürfte auch das Paar in Kanada zu spüren bekommen. In Österreich wäre diese Vorgehensweise mit mindestens genauso vielen Widerständen verbunden.

Spätestens beim Eintrag ins Geburtenregister, bei der Versicherungsmeldung, dem Antrag auf Familienbehilfe etc. wäre man mit dem Widerstand der Behörden konfrontiert. Man müsste das Kind nahezu ganz verheimlichen, um sein Geschlecht nicht bekannt geben zu müssen.

„Welche Konsequenzen eine Geschlechtsverheimlichung vor den Behörden hätte, ist unklar, denn dieser Fall sei noch nie eingetreten, meint dazu die Sprecherin der zuständigen Magistratsabteilung, Sabine Cizek, gegenüber dieStandard.at.“

Die Debatte über die Möglichkeit eines Menschen, seine geschlechtliche Identität frei wählen zu können bzw. zu dürfen, erinnert an die Debatte rund um die Theorien Judith Butlers, die sie in „Das Unbehagen der Geschlechter“ beschrieben hat und auf deren Kritik sie in „Körper von Gewicht“ reagiert hat.

Butler wurde vorgeworfen, „sie scheine zu glauben, die sexuelle Identität sei von einem denkenden Subjekt frei wählbar, indem es sich aus den Möglichkeiten performativer Geschlechts-Zuschreibungen bedient wie aus einem Kleiderschrank“ (Wikipedia).

Das kanadische Paar würde es vermutlich positiver formulieren, aber genau das scheinen sie ihrem Kind ermöglichen zu wollen.

Butler beschäftigt sich in „Körper von Gewicht“ auch mit der vorgeburtlichen Geschlechtszuschreibung eines Kindes. Sie versteht die Benennung „Es wird ein Mädchen“ als Sprechakt. Durch die Anrufung des sozialen Geschlechts gelangt das Mädchen in den Bereich von Sprache und Verwandtschaft und erfährt damit erstmals die normative Wirkkraft sprachlicher Zuschreibungen und eine erste „Naturalisierung“ seiner Geschlechtszugehörigkeit.

Doch wie fühlt es sich an, wenn man ein Wesen im Bauch hat, dass geschlechtslos bleiben könnte, zumindest bis zur Geburt?

Bevor ich selbst schwanger war, fand ich es eigenartig, wenn Eltern unbedingt das Geschlecht ihres ungeborenen Kindes wissen wollten. Ich dachte, sollte ich einmal schwanger sein, antworte ich auf die Frage „Was wirds denn?“ – „Ein Mensch“.

Manchmal kommt das Leben anders und meine dekonstruktivistische Haltung gegenüber Geschlechterzuschreibungen wurden auf eine harte Probe gestellt. Ich konnte gar nicht gut damit umgehen, nicht zu wissen, welches Geschlecht das Kind in meinem Bauch hat. Dieser Mensch, der so nahe und doch so wenig greifbar ist, erschien mir ohne Geschlechtszuschreibung noch viel weiter weg. Bekommt das Kind schon vor der Geburt ein Geschlecht zugeschrieben, dann weiß ich, es ist eine Tochter oder ein Sohn, es ist eine Enkelin oder ein Enkel etc. Ich male mir in meinen Gedanken (so verwerflich ich das gleichzeitig finde) eine unterschiedliche Beziehung zwischen mir und ihm aus, oder auch unterschiedliche mögliche Lebenswege. Seit ich weiß welches Geschlecht das Kind wahrscheinlich haben wird, habe ich das Gefühl, ich kann mich ihm besser annähern.

Ich bewundere die Entscheidung des kanadischen Paares und würde es sehr begrüßen, wenn weitere Eltern diese Entscheidung treffen. Vielleicht wäre das dann auch für mich irgendwann vorstellbar.

Zahlen, Daten, Fakten… Erfahrungen

Zufällig auf den Österreichischen Frauengesundheitsbericht gestoßen (Bundesministerium für Gesundheit, 2011) möchte ich euch die aktuellen Statistiken zu Schwangerschaft und Geburt nicht vorenthalten. Klar sind sie mit Vorsicht zu genießen. Am spannendsten ist ja oft, was überhaupt erhoben wird und welche Indikatoren als relevant erachtet werden. Hier eine kleine Auswahl:

Die „Lebendgebohrene Unehelichenquote“ (schönes Wort) lag in Österreich 2009 bei 39,3%.

Das „Fertilitätsalter der Mutter bei Erstgeburten“ betrug durchschnittlich 28 Jahre.

85,8% der Frauen bringen ihre Kinder im Kreisbett zur Welt. 64,3% der Mütter erleben eine Spontangeburt, 28,8% einen Kaiserschnitt. In den letzten 11 Jahren ist die Kaiserschnittrate in Österreich um mehr als 14% gestiegen.

Sind nicht alle gegen den Kaiserschnitt (so nehme ich das zumindest war)? Gebären im Liegen ist Schnee von gestern (ist nämlich gegen die Schwerkraft), wird mir zumindest dauernd erzählt.

Das Netzwerk Österreichischer Frauengesundheitszentren kommentiert diese Entwicklungen im Frauengesundheitsbericht (S. 254) so:

„Aus Sicht der Geburtsmedizin sind Schwangerschaft und Geburt zu Risiken geworden, die strenger und andauernder Überwachung bedürfen. So erleben sich werdende Mütter zusehends verunsichert und fremdbestimmt. Das natürliche Vertrauen in die eigene Kraft und das Vermögen, ein Kind zu gebären, verschwindet. Die Frauen geraten in das medizinisch-technisierte Routineprogramm von Blut- und Urinuntersuchungen, Ultraschall, Pränataldiagnostik, Medikamenten und medizinischen Interventionen wie Dammschnitt und Kaiserschnitt. Frauen einfacherer Bildungsschichten und Migrantinnen erhalten weniger geburtsvorbereitende Informationen und Kurse. Außerdem sehen sich Frauen heute mit unterschiedlichen Erwartungen und Ansprüchen konfrontiert: Sie sollen bis zum Mutterschutz berufstätig sein, gut vorbereitet zur Geburt kommen, ohne Schmerzmittel in wenigen Stunden gebären, den Partner dabei haben und kurz nach der Geburt Kind und Haushalt perfekt versorgen, außerdem ausgiebig stillen, attraktiv sein und ihre Berufstätigkeit nach wenigen Wochen weiterführen.“

Besonders negativ wird der „Wunschkaiserschnitt“ dargestellt. Angeblich werde er Frauen immer häufiger gegen ihren Willen „nahegelegt“ und sie würden nicht genügend über die Risiken aufgeklärt.

Das teile ich nicht, ein Wunschkaiserschnitt wurde mir noch nicht angeboten. Die anderen Punkte dieses Kommentars kommen mir schon eher bekannt vor.

Ich habe in den letzten Monaten gefühlte 100 Mal eine Urinprobe abgegeben. Ich habe mich ca. 3 Wochen lang gequält mit der Entscheidung für oder gegen Pränataldiagnostik. Bei der Entscheidung gegen die Nackenfaltenmessung musste ich einen Revers unterschreiben, nachdem mich eine Ärztin darüber aufgeklärt hat, dass man mit Hilfe der Nackenfaltenmessung möglicherweise nicht nur Trisomie 21, sondern auch einen Herzfehler erkennen könnte. Frei nach dem Motto, wollen sie jetzt noch immer nicht?

Ich und mein Partner haben ca. 10 mal zugeschaut, wie das Baby in meinem Bauch bei Ultraschalluntersuchungen vermessen (Kopf, Bauch, Oberschenkelknochen,…) und nach Standardtabellen beurteilt wurde. Jedes mal, wenn die Ärztin so etwas sagte, wie: „Na wo ist er denn der zweite Arm? Und was ist das?“  ist mir das Herz in die Hose gerutscht.

Ich wurde bei jeder Untersuchung gewogen und jedes Mal hat die Mitarbeiterin meinen Gewichtszustand mit den Worten: „Sie sind eh brav!“ kommentiert. Das Körperregime wirkt auch bei Schwangeren, oder besonders bei ihnen.

Was jetzt noch auf mich zukommt, kann ich schwer einschätzen. Ich habe mich nicht für eine Hausgeburt und auch nicht für ein Geburtshaus entschieden. Die Geburt wird in einem „stinknormalen“ Wiener Krankenhaus sein. Dennoch habe ich das Gefühl, dass das gut passt. Alle anderen Gedanken wären jetzt auch sinnlos.

Also abwarten und Tee trinken.

5 Monate: So feministisch ist das ja gar nicht!

Gestern in der Hebammensprechstunde.

Wir sprechen über alles mögliche. Ich erzähle ihr, dass sich meine Ängste bzgl. Muttersein vor allem auf das befürchtete Ende meiner Unabhängigkeit und Selbstbestimmung beziehen.

Die Hebamme darauf: Naja, im ersten Jahr ist die Mutter schon rund um die Uhr mit dem Baby beschäftigt.

Ich lasse das mal unkommentiert.

Später fragt sie mich, was ich beruflich mache. Ich erzähle ihr von meinem Studium (Gender Studies) und den feministischen Projekten, an denen ich arbeite.

Als wir uns verabschieden fragt sie mich, wie lange ich in Karenz gehen möchte. Ich sage ihr, dass ich mir eine berufliche Auszeit von maximal 5 Monaten vorstelle. Wenn ich davor schon Zeit und Lust habe etwas zu arbeiten, ist es auch fein.

Sie antwortet (erleichtert):  So feministisch ist das ja gar nicht.

Na dann.