Das Wochenbett: ein kriegsähnlicher Ausnahmezustand?

Zugegeben, ich werde langsam nervös (noch ca. 4 Wochen bis zum Geburtstermin). Und wie gehe ich damit um? Ich suche Rat in Büchern und bei Menschen, die mir mit ihren Erfahrungen helfen könnten.

Offensichtlich beschäftigen mich zur Zeit vor allem Dinge, die nach der Geburt auf mich zukommen. So wie eben das Wochenbett. Das ist ein echter Fortschritt. Ich kann an Dinge „danach“ denken. Bis vor Kurzem konnte ich nur bis zum Tag X denken.

Als uns die Hebamme im Geburtsvorbereitungskurs mit der Frage konfrontierte, wie wir unser Kind begrüßen möchten, war ich völlig blank. Ich konnte mir kein einziges Detail nach der Geburt ausmalen. Aber offensichtlich tastet sich mein Kopf nun langsam heran. Momentan also an das Wochenbett.

WOCHEN-BETT: schon das Wort beunruhigt mich. Klingt nach Wochen (wie viele?), die, die Frau im Bett verbringt. Und was tut sie da? Sich schonen, die Geburtsverletzungen (?) heilen lassen, gemeinsam mit dem Partner das Baby lieb haben und umsorgen. Ah ja und das Stillen „lernen“. Mein Liebblingsthema.

Schlafen? Eher nein. Videos schauen und Internetsurfen? FreundInnen auf ein Bier treffen? Sicher nicht. Lesen? Vielleicht ein bisschen? Da sind sie wieder, diese eigenen Bedürfnisse, die Frau ja nach der Geburt nicht mehr hat.

Gehts um Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett, ist der allgemeine Tenor: Es gibt sehr viel vorzubereiten! Daraus ließe sich problemlos ein Vollzeitjob machen. Die Zeit und Motivation dafür habe ich nicht. Trotzdem streift mich immer wieder eine kleine Panik, die sagt: du bist nicht vorbereitet und das wird sich rächen. Also lese ich dann und wann nach. Damit ich zumindest in der Theorie vorbereitet bin. Was gäbe es nicht alles zu tun, ginge es nach den Tipps, die da von außen kommen. Offensichtlich brauche ich von Zeit zu Zeit eine Portion Einschüchterung. Mein Lieblingsrat zum Thema „Vorbereitung auf das Wochenbett“ stammt aus dem „Großen Buch zur Schwangerschaft“ von Annette Nolden und Prof. Dr. med. (sic!) Franz Kainer.

„Damit sie nach der Geburt alles daheim haben und sich so die nötige Ruhe gönnen können, ist ein Voratskauf ratsam. Neben unverderblichen und schnell zubereiteten Lebensmitteln wie Nudeln, Reis, verschiedenen Nudelsoßen, Tiefkühlgerichten oder Fischdosen gehören auch spezielle Hilfsmittel für die Wöchnerin auf den Einkaufszettel.“

Dieser GU Ratgeber stammt weder aus den 50er Jahren (Erstauflage angeblich 1990) noch richtet er sich an Frauen, die weit entfernt von der Zivilisation leben oder aus welchen Gründen auch immer wochenlang mit ihrem Kind alleine sein werden. Muss ich mich also tatsächlich auf einen kriegsähnlichen Zustand einstellen? Werden mein Partner und ich so überfordert sein, dass wir nicht einmal mehr frische Sachen beim Supermarkt ums Eck einkaufen können?

Den Einkauf hätte ich übrigens vor vier Wochen machen sollen. Dafür ist es jetzt ohnehin zu spät.

In den letzten Wochen vor der Geburt ist nämlich Entspannung und Ruhe ratsam. Was gar nicht so einfach ist, denn „Die Stunden bis zum Abend und der Rückkehr des Partners von der Arbeit bieten ihnen dann auch noch viel Zeit für Grübeleien. […] Verscheuchen Sie trübe und kreisende Gedanken, indem sie sich jeden Nachmittag eine Freundin, Mutter, Vater, Schwester oder auch die Nachbarin für eine Stunde zum Kaffee einladen.“ (ebenfalls aus dem GU Ratgeber)

Hm, also doch kriegsähnliche Zustände? Nur die Frauen (und der bereits pensionierte Vater) stehen zum nachmittäglichen Kaffeetratsch zur Verfügung, während die Männer an der Arbeitsfront kämpfen?

Da macht es mich froh, dass ich gar keine Zeit zum Grübeln habe und dank nicht vorhandener Mutterschutzzeit (weil selbstständig) auch kein Arbeitsverbot und auch noch einige berufliche Termine habe. Am Vormittag, am Nachmittag, am Abend. So begegnen mir hin und wieder einige Männer und ich komme nicht so viel ins Grübeln. Zum Glück.

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12 Gedanken zu “Das Wochenbett: ein kriegsähnlicher Ausnahmezustand?

  1. oh fein, ein neuer blog über feministische mutterschaft!
    und dazu noch aus österreich.
    zum thema wochenbett:ich habe es nicht kriegsähnlich in erinnerung.da ich mich entschlossen habe, nicht zu stillen, konnten mein partner und ich uns die ernährung des babys teilen. die ersten zwei wochen konnte ich ehrlich gesagt entspannen, da hat mein partner das flascherl machen zu 90 prozent übernommen. da ich einen dammschnitt hatte, war ich ganz froh, die ersten tage liegen zu können, bzw mit einem hämorrhoidenring vom bständig, den mein bruder mir geschenkt hat vor dem computer zu sitzen, hatte damals noch keinen laptop 😉
    mein bruder brachte uns auch immer wieder essen-da wir beide einfach nicht so gerne kochen oder backen. das hatte aber bichts mit dem wochenbett zu tun 😉
    ich hatte eine hebamme (für mich sehr okay, zum glück nicht zu esoterisch), die mich versorgte, die krankenkasse bezahlt ja hebammen mit kasssenvertrag 10 besuche
    an diese absurden die man ja auch aus so diversen blogs kennt (das unsägliche parents.at) solltest du nicht glauben. man muss nicht 500 portionen eintopf einfrieren, um diese zeit rumkriegen zu können. denn, was gerne vergessen wird. babys schlafen die erste zeit vor allem
    heute war der tag der offenen schulen-das empfand ich fast mehr als kriegsähnlichen zustand. lauter überambitionierte eltern, die sich darüber beschwerten, dass es nicht genug kurse und zusatzangebote geben würde und schon nach spezieller hochbegabtenförderung verlangten. zum glück ist die direktorin eine tolle frau, die nur lakonisch anmerkte: „wenn ihr kind in die luft schauen will am nachmittag in der kuschelecke, werden wir es nicht in den schachkurs schicken“

  2. hallo charlie,
    klingt ja sehr beruhigend, wie du die zeit nach der geburt beschreibst. freu mich immer über solche entspannten geschichten! danke!
    ja, das thema frühförderung würde, wenn es nach manchen geht, auch schon vor der geburt beginnen, aber spätestens in der schule…. super aussage von der direktorin!

  3. Pingback: Rückblick IV: Wahnsinn Wochenbett | glücklich scheitern

  4. Pingback: Wochenbett « unsichtbares

  5. hallo feministmum,
    schön dich gefunden zu haben. da steh ich schon in deiner blogroll und weiß gar nicht dass es dich gibt…
    ich hab meine wochenbetterfahrungen gleich in einen post verpackt, bei mir drüben. ich fand rum liegen übrigens meist genau das richtige, mein kind leider nicht. wenn du nicht allein bist, ist hamstern nicht notwendig. meiner erfahrung nach.
    viel glück mit kind, auf dass du mehr schläfst als alle anderen.
    unsichtbares.

    • hallo unsichtbares,
      ja, ich bin vor einigen wochen auf deinen blog gestoßen und hab mich sehr gefreut!
      da hast du grad über „muttergefühle“ geschrieben, das hab ich mir dann auch gleich gekauft…
      ich denke, deine tipps fürs wochenbett sind echt brauchbar…vor allem die trageding-sache…ich übe mich mal in gelassenheit die nächsten wochen und hoffe auch auf viel schlaf.
      liebe grüße
      feministmum

  6. Pingback: da mach ich mit « kraehenmutter

  7. ha – ich hab auch gleich mal was bei mir dazu geschrieben.
    nicht ganz so entspannt, aber das ist wohl auch alles typ-sache aller beteiligten.
    ich bin schon gespannt, in einigen wochen deine eigenen erfahrungen hier lesen zu können..;)

  8. Das mit dem Wochenbett hängt glaube ich wesentlich davon ab wie anstrengend die Geburt war und wie stark die Geburtsverletzungen sind. Ich fand die 2 Monate vor der Geburt deutlich weniger anstrengend wie die 2 Monate nach der Geburt. Für mich war schon stehen am Wickeltisch anfangs eine Herausforderung bei der mir gelegentlich schwarz vor den Augen wurde (gewickelt hat dann zum Glück meistens mein Mann, aber der war dann auch mal einkaufen..). Wenn Frau stillt braucht sie regelmäßige ausgewogene Ernährung, Mahlzeiten auslassen ist nicht. Besuch der einen “nur“ Kuchen mitbringt wegen dem dann aber das Mittagessen ausfiel fand ich anfangs sehr anstrengend … Nette Menschen die zum Putzen oder Kochen kommen oder mit vorgekochter Mahlzeit vorbeikommen oder die mal mit dem Kinderwagen losziehen sind ok. Meine Mutter hat zweimal bei uns Hühnersuppe gekocht (und nacher die Küche wieder sauber gemacht), der Rest wurde eingefroren, das war super.
    Ich wurde überhaupt viel von meinem Mann, meiner Mutter als auch meiner Schwiegermutter bekocht, dass hat sehr geholfen.

    Wer sich schnell erholt kann anstrengenderen Besuch ja dann immer noch einladen. Vorgekochte Gerichte im Gefrierschrank sind immer nützlich 🙂

  9. Heutzutage kann man sich das Essen ja ins Haus bestellen – hat mich ein bis zwei Kinder gekostet, bis ich wusste, dass das nicht automatisch heißt, dass jetzt Essen auf Rädern mit Schweinebraten und Rotkohl für den Senioren kommen muss, sondern der Pizza-Dienst ums Eck es genau wie immer tut.

  10. also um auch mal etwas entspannung aufkommen zu lassen: mein freund und ich empfanden die ersten vier wochen nach der geburt unseres ersten sohnes wie urlaub. viel schlafen (immer wenn das baby schläft), viel spazierengehen, einfach entspannen und sich am baby freuen. mag sein dass sich das in der erinnerung jetzt ein bisschen verklärt, aber ich weiss noch genau wie viele leute uns damals erzählt haben daß wir ziemlich entspannt wirken 🙂

    stillen fand ich gegenüber der vorstellung nächtens fläschchen mischen zu müssen (und ganztags diese zu sterilisieren etc.) wesentlich unkomplizierter, es hat allerdings auch gleich super geklappt. und ja, ich weiss dass man sich bei der flasche besser reinteilen kann, ich empfand es aber nicht als belastung.

    mein freund hat das erste jahr dann teilzeit gearbeitet und ich war ganz daheim. so hatten wir viel zeit zusammen und auch der haushaltskram war ziemlich gut verteilt. allerdings: ich arbeitete vor der elternzeit vollzeit, daher bekam ich sehr gutes elterngeld. wäre es finanziell enger gewesen hätte das ganze sicher anders ausgesehen.

  11. gu ratgeber sind schrott…
    ich fand wochenbett prima, wenn ich auch babymoon bevorzuge, da hat man einfach musse, das kind richtig kennenzulernen, zu beschnuppern etc.
    ausserdem hatte ich durch sectio alles andere als lust, durch die weltgeschichte zu marschieren.

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