Männer tendieren eher zu Kaiserschnitten?

Sonntagsfrühstück und ich stolpere über ein Interview mit dem österreichischen Gesundheitsminister Alois Stöger. Es geht um seine durchaus progressive Haltung zu rechtlichen Bestimmungen der künstlichen Befruchtung.

Abschließend wird er gefragt, wie er sich die im internationalen Vergleich in Österreich sehr hohe Kaiserschnittrate (das Thema scheint mich zu verfolgen) erklärt. In seinen Antworten stellt er überraschende Vermutungen an. Hier der Interviewausschnitt:

Standard: Auch bei Kaiserschnitten liegt Österreich mit 28 Prozent weit über dem EU-Durchschnitt. […] Warum ist die Rate so hoch? Fordern die Frauen das ein, oder forcieren es die Spitäler?
Stöger: Ich meine, dass man das Leben in ein Zeitschema pressen möchte und am Wochenende keine Geburten haben will. Daher plant man sie. Das kann der Arzt oder das Krankenhaus sein.
Standard: Hat das auch damit zu tun, dass Spitäler für einen Kaiserschnitt mehr Geld bekommen?
Stöger: Das könnte eine Rolle spielen – ebenso wie die Tatsache, dass Frauen, die per Kaiserschnitt entbinden, länger Wochengeld bekommen.
Standard: Auch ein Kaiserschnitt ist nicht gerade ein Spaziergang. Glauben Sie wirklich, dass sich das so viele Frauen wünschen?
Stöger: Es ist eine Frage der Aufklärung. Wir wollen zum Diskurs anregen – finanzielle oder terminliche Überlegungen sollten keine Rolle spielen.
Standard: Hielten Sie es für sinnvoll, Kaiserschnitte für ein Krankenhaus anders zu vergüten?
Stöger: Ich könnte mir vorstellen, die Vergütung pro Krankenhaus bei 15 Prozent zu deckeln, falls es wirklich am Geld liegt. Ein Expertengremium soll mir erklären, warum es in Österreich Krankenhäuser gibt, die 35 und mehr Prozent Kaiserschnitte haben. Möglicherweise stimmt auch das Verhältnis von Frauen und Männern in der Geburtshilfe nicht.
Standard: Sie meinen, Männer tendieren eher zu Kaiserschnitten?
Stöger: Ja, ich würde sagen, der männliche Zugang zu Medizin ist ein anderer. Lässt man Leben einfach zu, oder will man es in einer Zeittabelle unterbringen? Da geht es um Kontrolle des Lebens.
(DER STANDARD, Printausgabe 15./16.10.2011)

Neben den immer wieder diskutierten Ursachen (mehr Geld für die Spitäler, bessere Planbarkeit etc.)  sind hier zwei Dinge für mich neu:

1.Die Unterstellung, Frauen wollen einen Kaiserschnitt, weil sie dann (2 Wochen!) länger Wochengeld beziehen.

2. Die Pauschalisierung, Männer tendieren aufgrund ihres biologischen Geschlechts dazu, Leben kontrollieren zu wollen und neigen deshalb (mehr als Gynäkologinnen?) zu Kaiserschnitten.

Ist das nicht alles ein bisschen zu einfach? Ich will hier nicht die ganze Debatte neu aufrollen, musste nur kurz meinem Bedürfnis nachgeben, mein Erstaunen über solch undifferenzierte Erklärungen kundzutun…

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4 Gedanken zu “Männer tendieren eher zu Kaiserschnitten?

  1. Es gibt auch die Erklärung (die Quelle finde ich gerade nicht), dass es auch damit zu tun hat, dass die Väter mittlerweile fast immer bei der Geburt dabei sind, was ja noch nicht so lange der Fall ist.
    Weil sie schlecht aushalten können, ihre Liebsten in solchen Schmerzen zu sehen, kann es zu so etwas wie einem Bündnis zwischen Partner und Gyn kommen, der Frau die Schmerzen zu ersparen.
    Ob die Erklärung trägt, weiß ich nicht, und sie könnte dann ja nur für Notfallkaiserschnitte gelten, nicht für geplante. Denn da hat ja die Frau die Schmerzen noch gar nicht erlebt.

  2. Ich glaube, das verlängerte Wochengeld ist so ziemlich das letzte, woran man während der Geburt denkt (abgesehen davon sind es 4 Wochen länger, nämlich 12 statt 8 Wochen). Welche Frau hat nicht im Wehenschmerz gesagt, jetzt hätte ich gerne einen Kaiserschnitt? Warum die Kaiserschnittrate zunimmt? Dafür gibt es m.E. mehrere Erklärungen. Die Frauen glauben, ein Kaiserschnitt ist einfacher, schmerzfreier, risikoloser. Die Ärzte tendieren zu Kaiserschnitten, weil sie Klagen vermeiden möchten und ganz nebenbei noch mehr dafür bezahlt bekommen, die Spitäler ebenso. Und überhaupt der Trend zur Apparatemedizin, die Schwangerschaft wird durchgehend technisch überwacht, da ist ein Kaiserschnitt eigentlich der logische Schlusspunkt. Früher war es der Stolz der GeburtshelferInnen, eine möglichst niedrige Kaiserschnittrate zu erzielen, heute scheint das Gegenteil der Fall zu sein.

  3. Hallo..
    Da ich einen wunschkaiserschnitt hatte, kann ich hierzu viel sagen..die models und schauspielerinnen bekommen ihre kaiserschnitte min. zwei wochen vorm termin, sie wollen schwangerschaftsstreifen und co vermeiden..
    Die frau wird auf ihr aussehen reduziert, auf allen ebenen wird uns angst eingetrichtert vor falten, hängenden brüsten, pickeln oder einem gesunden bodymaßindex…
    Auf allen ebenen müssen wir sexy lastziv, neuerdings auchnoch stark und erfolgreich sein, auch im bett, da sich der geburtskanal weitet und ewentuell damm oder scharmlippen reißen, ist es warscheinlich unten herum nichtmehr so auszusehen, wie bei der zeugung…scharmlippenkorrekturen werden immer heufiger, nicht zuletzt, weil die jungen männer das bild fordern, was ihnen hunderttausende von pornos eingetrichtert haben!!!
    Horrorgeschichten, was alles schief laufen kann sind einschüchternd und wenn da ein ganz einfacher weg ist..vielen frauen ist garnicht klar, dass es eine krasse operation ist, bei der muskeln durchtrennt werden und ebenfalls viel schief gehen kann.
    Auch das gefühl unter wehen ärzt*innen und hebammen ausgeliefert zu sein ist ja tatsächlich für viele frauen nach der geburt ein bleibendes trauma!!!
    Davor hatte ich angst, mit 24 jahren, ich traute meinem mann nicht zu meine intressen zu vertreten, wenn ich mich nicht wehren kann, unter wehen kann ich ja nicht einfach sagen, ok, mir gefällt hier der service nicht, ich gehe zu einer anderen klinik..das war mein ausweg, es war schrecklich, so ein kaiserschnitt ist echt schmerzhaft und hat mich den schwestern auf der station ausgeliefert, die mich aufgrund des wunschkaiserschnitts nach dem motto behandelten, sie hats ja nicht anders gewollt..die ersten drei monate waren der horror, die narbe ging immer wieder auf, eiterte..die spinalanestesie war schief gelaufen, der einstich tat 6 wochen lang weh, war blau und von dem kaiserschnitt spürte ich mehr, als normal…in meiner 2. Schwangerschaft maßen sie die narbendicke in der gebährmutterwand, sie war sehr dünn, nach einem kaiserschnitt reißt die gebärmutter bei einer folgenden geburt doppelt so oft und zwar 1:100, anstatt 1:200, fuck off..
    Meine zweite bekam ich auf natürlichem wege, ein terminkind, 24,5 stunden wehen, aber nur 11 stunden mit schmerzen,ich habe alles darüber gelesen und wusste genau, was passiert, bei vier min abstand ins krankenhaus, wehenschreiber, blasensprung, 9 min kreissahl, 5 presswehen, keine pda, kaum schmerzen..echt, es tat weh, ich habe geatmet mein mann hat mich massiert, was sehr schmerzlindernd war und die presswehen waren dann fast schmerzfrei, ich arbeitete die ganze zeit mit meinem körper zusammen und das kleine wunder hielt den kopf goldrichtig, die kleine kam raus, ich nahm sie selbst auf, ohne fremde hand, mein mann saß hinter mir und meinte, dass hebamme und kinderarzt total iritiert waren, weil ich die kleine sofort in stillposition nahm und wohl niemand sich dazwischen traute, ich durfte dann auch die nabelschnur durchschneiden, wenn die kleine nicht etwas saugprobleme gehabt und ich nicht hätte genäht werden müssen, wäre ich gleich vom bett gehüpft und hätte ein taxi gerufen..es hat mir so viel selbstvertrauen gegeben, ich hätte das auch alleine geschafft, ohne irgendjemand anderen! Es war überwältigend! Aber das hätte mir vorher kein mensch versprechen können..mit 26 und als schon gewordene mutter war ich reifer und bereiter für dieses erlebnis. Aber eines kann ich ganz sicher sagen, ich habe beide kinder von anfang an angenommen und geliebt, eine liebe die nicht erst wachsen musste, sondern von vorneherein unermässlich war und ist!!!

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