Sehen wir uns noch?

Seit Tagen fühle ich mich wie auf einer Abschiedstour. Alle wollen sich noch von mir verabschieden. Ich mich eigenartigerweise auch.

Die Freundin noch auf einen Kaffee treffen. Einmal noch alleine spazieren gehen.

Abschied, nicht nur von Menschen, sondern auch von Aufgaben, Projekten, Orten und besonders, dem Schwangersein selbst. Abschied von einem Lebensabschnitt, der sich seit 9 Monaten verabschiedet.

Es fühlt sich an, wie vor einer Reise auf unbestimmte Zeit, von der ich nie wieder als dieselbe zurückkomen werde. Dabei werde ich nie weggewesen sein.

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5 Gedanken zu “Sehen wir uns noch?

  1. Es heißt ja immer „Abschied und Neubeginn“.
    Du wirst nicht weg sein aber eine andere.

    Unter dem ganzen Verabschieben (das seine Zeit hat) also bitte die Willkommensfeiern für den neuen Lebensabschnitt und das neue Selbst und das neue Menschlein, i.S. von extern von dir, nicht vergessen. Die haben auch ihre Zeit.

    … und jetzt bin ich schon wieder furchtbar pathetisch und zitiere Gedichte, deren Namen ich nicht kenne 😉

  2. Das hab ich mir schon lange gewünscht: einen feministischen Mama-Ort im Netz!
    Bin Geschlechtersoziologin und Mama eines vierjährigen Kindes.
    Ich habe die Themen bei Dir hier im Bog so oder so ähnlich auch erlebt: Stillen? (nein), soziales Geschlecht vor der Geburt? (schock, ein Junge – na gut, gendering vor), nach der Geburt (keine blauen Babysachen bitte!) und inzwischen der tagtägliche Versuch einer geschlechtergerechten Erziehung (im Gegengewicht zur allgegenwärtigen „Männersozialisation“ durch Peergroups und Kita). Und natürlich beschäftigt mich auch alles rund um die neue „Rolle“ als Mama und wie das mit bisherigen (feministischen) Ansprüchen und neuer Wirklichkeit vereinbar ist.
    Werde von jetzt an öfters vorbeischauen!
    Es ist vor allem am Anfang ganz schön schwer, aber auch unglaublich bereichernd, spannend und wunderschön, Mama zu sein!
    Ich wünsche Dir einen gute Geburt und einen schönen Start in den neuen Lebensabschnitt mit Kind!

  3. ich habe deinen blog gerade entdeckt und bin sehr zwiegespalten. einerseits finde ich das thema interessant, deine lebenswelt trifft sich in etwa mit meiner – nur, dass ich mit dem thema kinder schon einen schritt weiter bin (4 und 2 jahre).

    andererseits wäre es mir persönlich zuviel, das ganze thema so stark zu empfinden, wie du es hier schilderst. ich verstehe, dass man vor dem ersten kind wirklich nicht weiß, was auf einen zukommt. ich dachte damals auch, ich müsste meine kinder vielleicht aus unbekannten zwängen heraus so behandeln und kleiden wie kinder, die ich so auf der straße sah und manchmal wurde mir dabei echt elend zumute, ich könnte mich mit kind selbst nicht mehr kennen (latzhosen, da muss ich heute noch heulen, wenn ich sowas sehe).

    aber, wenn man mal auf den boden zurückfindet, ist es doch so, dass kinder gar nicht so viel verändern. weder den charakter der eltern noch die lebenswelt noch die bedürfnisse der eltern. das halte ich für die größte urban legend der gegenwart, eine, die ganz subtil in die eigene denkwelt eingreift, ohne, dass man es groß mitkriegt. vielleicht ist diese denke zu einem teil auch der grund für unsere demografischen verhältnisse.

    mein mittlerweile promoviert habender mann und ich, vollzeitjob mit so etwas wie karriere, haben beide kinder ziemlich gut gewuppt bisher: ich habe beide gestillt, weil ich es fetzig & stark fand. als ich zur baby-halbjahresuntersuchung ging und die ärztin feststellte, dass das kind soundsoviel wiegt und ich mir bewusst machte, dass die ganzen kilos, die da normal entwickelt auf der waage brüllen, aus meinem eigenen körper genährt wurden – das hat mich stolz gemacht. er hat gewickelt und gekocht (und damit die grundlage zur muttermilchproduktion geschaffen – das war unser kreislauf) und mir ganz gut ausgleich geschafft. beim stillen las ich (krimis sind nicht so zu empfehlen, die spannung beim lesen hat sich körperlich niedergeschlagen – aua) oder surfte im internet oder guckte das jeweilige kind an. die geburten haben beide ewig gedauert und wehgetan – er hat es mitgekriegt und mir mit fürsorge vergolten. im zweifelsfall sagen wir beide, dass die kinder wichtiger als der job sind.

    ich schaue sehr danach, meine eigenen grenzen nicht zu übertreten. ich kenne familien, die sehr viel erreicht haben mit kindern – und in denen die mütter ein solides burnout haben. das sind die, die immer 150% gegeben und nie nach etwas für sich gefragt haben. und nun leiden nicht nur diese mütter, sondern ganze große familien- und freundeskreisstrukturen darunter, dass frauen sich für funktional unersetzbar, als person aber nicht so wichtig hielten.

    bitte entschuldige, dass ich soviel geschrieben und soviele themen gleichzeitig angesprochen habe. wenn ich das so lese, merke ich, wieviel spaß es am anfang gemacht hat, alles einzurichten und zu organisieren. – hm, ist das hilfreich für dich?

    • hallo palü,
      offensichtlich habt ihr – du, deine Kinder und dein Mann – einen guten Weg gefunden…das ist eine schöne Geschichte!…Mal sehen, was ich in ein paar Jahren über diese Endphase des Schwangerseins und die erste Zeit mit Baby sagen werde. Ich denke mit einigen Jahren Abstand wird das nicht mehr so intensiv klingen. Im Moment ist die Veränderung für mich einfach nicht vorstellbar….

  4. ganz ehrlich: die ersten tage, wochen, gefühlt monate hatte ich gar keinen kopf um irgendwelche veränderungen festzustellen.
    plötzlich war es halt einfach so.
    irgendwann kam dann das erwachen: huch, die welt dreht sich weiter, langsam könnte ich mal wieder einsteigen.

    jetzt vergess ich auch noch ab und zu, dass ich ja gar nicht mehr „nur“ erika-johanna-gertrud bin, sondern nebenbei auch noch mutter und fühle mich dabei komisch. denn eigtl bin ich ja immer noch ganz die alte, nur hängt halt vorne nochn kind an mir dran und ich erfülle eine rolle mehr im leben.

    ich finde dieses abschiednehmen schön und sinnvoll.
    wie sagt man: nicht nur das kind wird, auch die mutter wird durch das kind geboren.
    tatsächlich ändert sich alles und nichts.

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