Stillende Allergikerin: Stilldilemma Nr. 2

Besonders Allergikerinnen wird nahegelegt zu stillen. Je länger umso besser. Ich leide an Katzen- und Hausstauballergie und kann normalerweise ganz gut damit leben. Hin und wieder, zum Beispiel wenn ich meine Eltern besuche, die einen Kater haben, werfe ich eine Tablette ein.

Zu Weihnachten ist so ein Fall. Ich gehe also in die Apotheke um mir ein stillverträgliches Antiallergikum zu besorgen und muss erfahren: es gibt keins.

Hm? Bedeutet das, dass alle stillenden Allergikerinnen während der Stillzeit heldinnenhaft ihre allergischen Reaktionen ertragen? Das gleiche gilt wohl für diverse andere Krankheiten, wie etwa Neurodermitis.

Der Apotheker verkauft mir schließlich doch ein Medikament und meint es wird schon nichts passieren.

Später schlucke ich die Tablette und fühle mich schlecht dabei.

Wieder einmal bin ich überrascht, wie wenig bei all der Stillbefürwortung an das Wohlbefinden der Mütter gedacht wird.

Das Leben im 3 Stunden Rhythmus: Stilldilemma Nr. 1

Was hat Stillen mit Feminismus zu tun? Die meisten Menschen würden wohl sagen „gar nichts“ oder wie Erna von der Mädchenmannschaft hier festgestellt hat – wenn frau stillt hat der Feminismus quasi Pause:

„Das Ende ist in Sicht und danach geht es wieder „feministisch“ weiter – wenn man so will.“

Mir fällt diese Abgrenzung nicht so leicht und ich versuche wieder einmal alles unter einen Hut zu kriegen, das Stillen und die feministische Lebenshaltung.

Angefangen hat ja alles schon viel früher. In der Schwangerschaft stand die Entscheidung für ein Elternkarenzmodell an. Der Mann und ich wollten uns die Zeit aufteilen und schnell war klar: wenn ich mich nicht von vornherein gegen das Stillen entscheide, gehören die ersten Monate mir. Gut, dachte ich damals, deshalb muss ich ja noch lange nicht meine schönen Vorstellungen von „equal parenting“ über Board werfen. Wir nehmen Elternzeit hintereinander (andere Kinderbetreuungsmodelle gibt es in Österreich ohnehin nicht) und verbringen seine Freizeit gemeinsam mit dem Kind. So ist es nun auch. Der Mann hat zusätzlich seine Stunden reduziert und das funktioniert alles soweit ganz gut.

Einziger Haken: ich kann nicht weg. Ich lebe im 3 Stunden Rhythmus und das macht mich bisweilen ziemlich unruhig und ich bin mitunter sehr eifersüchtig auf den Mann, weil er trotz Kind „frei“ sein kann. Ich kann nicht weg, das bedeutet ich kann nicht länger als 3 Stunden ohne Kind sein. Inklusive Fahrzeit kann ich mich also max. 1,5 Stunden irgendwo aufhalten.

Ich weiß, jetzt kommt die schöne Geschicht von der Freiheit, die eine Milchpumpe mit sich bringt. Doch was soll ich von dieser Freiheit halten? Zuerst ringt frau sich mühsam eine Portion Muttermilch ab und wenn sie dann weg ist, kämpft sie mit Milchüberschuss und drohendem Milchstau. Nicht gerade eine befreiende Lösung. Und dass es möglich ist Stillen und Berufstätigkeit zu vereinen, halte ich mittlerweile für einen Mythos. Oder könnt ihr euch diese Kollegin im Büro (oder an sonst einem Arbeitsplatz) vorstellen?

Mein Stilldilemma Nummer 1 ist deshalb: Stillen schränkt total ein, Abpumpen ist auch keine Lösung und Abstillen will ich (noch) nicht. Den nächsten Versuch den wir starten werden: Brust und Flaschennahrung. Bin gespannt wie das endet.

Fortsetzung meiner weiteren Stilldilemmata folgt.

Schau was ich tolles gebaut habe!

Bild gesehen bei bluemilk

So sah Legowerbung 1981 aus. Bisher begegnete mir (nach meiner eigenen Kindheit) Lego nur beim Geschenkebesorgen für andere Kinder. Es ist nahezu unmöglich eine Packung zu finden, in der nicht diverse Geschlechterklischees miteingepackt sind. 1981 scheint das noch anders gewesen zu sein. Da war Lego noch Bausteine und das Mädchen mit dem „schau was ich tolles gebaut habe“-Blick hat von den Plakaten gelächelt. Ich wünsche mir auch 2011 solche Mädchen in der Werbung.

Die Mutter in der Werbung

In der aktuellen Kampagne der Generali Versicherung „Um zu verstehen muss man zuhören“ werden Menschen „so real, natürlich, berührend und authentisch wie möglich“ dargestellt. Darunter auch eine Mutter. Sie beschreibt ihren Alltag so:
„Ich muss 24 Stunden für das Kind da sein. Ich muss mein Ego komplett zurückstellen, hab überhaupt nichs mehr zu melden, bin ein Futterlieferant, ein Sklave.“
Dabei lächelt sie strahlend in die Kamera.

Ist sie verrückt? Ist das Ironie? Vielleicht kann mich mal jemand aufklären.