Das Leben im 3 Stunden Rhythmus: Stilldilemma Nr. 1

Was hat Stillen mit Feminismus zu tun? Die meisten Menschen würden wohl sagen „gar nichts“ oder wie Erna von der Mädchenmannschaft hier festgestellt hat – wenn frau stillt hat der Feminismus quasi Pause:

„Das Ende ist in Sicht und danach geht es wieder „feministisch“ weiter – wenn man so will.“

Mir fällt diese Abgrenzung nicht so leicht und ich versuche wieder einmal alles unter einen Hut zu kriegen, das Stillen und die feministische Lebenshaltung.

Angefangen hat ja alles schon viel früher. In der Schwangerschaft stand die Entscheidung für ein Elternkarenzmodell an. Der Mann und ich wollten uns die Zeit aufteilen und schnell war klar: wenn ich mich nicht von vornherein gegen das Stillen entscheide, gehören die ersten Monate mir. Gut, dachte ich damals, deshalb muss ich ja noch lange nicht meine schönen Vorstellungen von „equal parenting“ über Board werfen. Wir nehmen Elternzeit hintereinander (andere Kinderbetreuungsmodelle gibt es in Österreich ohnehin nicht) und verbringen seine Freizeit gemeinsam mit dem Kind. So ist es nun auch. Der Mann hat zusätzlich seine Stunden reduziert und das funktioniert alles soweit ganz gut.

Einziger Haken: ich kann nicht weg. Ich lebe im 3 Stunden Rhythmus und das macht mich bisweilen ziemlich unruhig und ich bin mitunter sehr eifersüchtig auf den Mann, weil er trotz Kind „frei“ sein kann. Ich kann nicht weg, das bedeutet ich kann nicht länger als 3 Stunden ohne Kind sein. Inklusive Fahrzeit kann ich mich also max. 1,5 Stunden irgendwo aufhalten.

Ich weiß, jetzt kommt die schöne Geschicht von der Freiheit, die eine Milchpumpe mit sich bringt. Doch was soll ich von dieser Freiheit halten? Zuerst ringt frau sich mühsam eine Portion Muttermilch ab und wenn sie dann weg ist, kämpft sie mit Milchüberschuss und drohendem Milchstau. Nicht gerade eine befreiende Lösung. Und dass es möglich ist Stillen und Berufstätigkeit zu vereinen, halte ich mittlerweile für einen Mythos. Oder könnt ihr euch diese Kollegin im Büro (oder an sonst einem Arbeitsplatz) vorstellen?

Mein Stilldilemma Nummer 1 ist deshalb: Stillen schränkt total ein, Abpumpen ist auch keine Lösung und Abstillen will ich (noch) nicht. Den nächsten Versuch den wir starten werden: Brust und Flaschennahrung. Bin gespannt wie das endet.

Fortsetzung meiner weiteren Stilldilemmata folgt.

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5 Gedanken zu “Das Leben im 3 Stunden Rhythmus: Stilldilemma Nr. 1

  1. Das kommt mir ganz schön bekannt vor. Nur, dass bei mir deine drei Stunden zumindest tagsüber eher zwei Stunden waren (sind). Wie sich dieses Dilemma anfühlt, war mir vorher gar nicht bewusst. Von keiner einzigen stillenden Bekannten oder Freundin habe ich davon zuvor gehört (erst, wenn ich das anspreche, wird genickt) – der Rabenmutter-Vorwurf lässt grüßen (bei mir hat es übrigens 9 Wochen gedauert, bis ich dieses Etikett von einer Unbekannten/U-Bahn umgehängt bekommen hab …). Mein persönliches Still-Dilemma hab ich übrigens über die Kombination Stillen + Flaschennahrung lösen können. Funktioniert wunderbar und tut uns allen gut.

  2. relax: es ist im verhältnis zu eurem weiteren leben eine unendlich kurze zeitspanne, die ihr so fest miteinander verbunden seid.
    nichtsdestotrotz: ich fands auch super anstrengend, nicht länger als 1 std mal ohne kind sein zu können, inzwischen sinds jedoch ganze 7 (wohooo)…
    aber: was erhoffst du dir von fertig-nahrung? deine brust wird ja trotzdem milch produzieren..? fände da zwecks brustentleerung abpumpen/ausstreichen sinnvoller.

  3. hm, ich habe mittlerweile von mehreren frauen gehört, die eine milchpumpe im buero hatten bzw. der mann kam mit dem hungrigen kind auf arbeit vorbei. ich selbst habe auch eine weile berufstätig gestillt und bin dazu in einen ruheraum gegangen. lief so lala, war aber insgesamt ok.

    das frau mit dem stillkind unflexibler ist, sehe ich auch. was mir aber am stillen gefiel, ist, dass man sich bei ausflügen nur das baby schnappen muss und nicht baby, flasche, milchpulver, heißes wasser/heißwasserbezugsquelleninformationen.

    bei uns sind übrigens bei beiden kindern alle flaschenambitionen in die hose gegangen, sie konnten sich nie so richtig an den sauger gewöhnen. naja.

  4. Ich fand abpumpen auch blöd. Sonst hatte ich immer genug Milch, aber wenn ich Abpumpen wollte, kam fast nichts. Und die mühsam abgepumpte Milch wollte das Kind dann nicht trinken. Ich hab dann mit Gläschen angefangen, als das Kind 4 Monate alt war, so konnte der Papa füttern, wenn ich mal weg war. Mit 6 Monaten hab ich nach und nach Stillmahlzeiten durch Fläschchen ersetzt und hatte mit 7 Monaten abgestillt. Mit 8 Monaten ging das Kind dann in die Krippe und ich bald darauf wieder Teilzeit arbeiten. Dann hätte ich eh nicht mehr stillen wollen, auch wenn es morgens und abends natürlich noch möglich gewesen wäre.

  5. Pingback: Alles neu • Denkwerkstatt

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