Theoretische Fundstücke zum Thema Mutterschaft (1)

Neoliberale Praktiken, Diskurse und Denkweisen gehen vielfach aber auch mit zunehmender Orientierung an und Verengung auf traditionelle Geschlechtermuster einher. Nicht zuletzt bevölkerungspolitisch motivierte, vorrangig an Frauen gerichtete Forderungen nach höherem Stellenwert von Familie, Kindern und Sorge um andere statt „Egoismus“ und „Selbstverwirklichung“ werden lauter. Mediale wie wissenschaftliche Versuche, traditionelle Familienbilder wiederzubeleben, Glück von Mutterschaft und Familienleben als für Frauen attraktive Alternative zu Beruf und Karriere zu propagieren, die Einheit von Mutter und Kind zu beschwören, mütterliche als einzig kindgerechte Erziehungsform darzustellen und vor fatalen Folgen durch „Vernachlässigung“ in Betreuungseinrichtungen zu warnen, nehmen zu (vgl. Lang 2001, 96ff.). Familie soll offensichtlich die Aushöhlung von Solidarität und gesellschaftlichem Zusammenhalt kompensieren, emotionale Bedürfnisse nach Nähe, Sicherheit und Zugehörigkeit decken und als vermeintlich geschützter Binnenraum wieder verstärkt Gegengewichte zu einer als feindlich, konkurrenzerfüllt und konfliktgeladen wahrgenommenen Außenwelt bilden.

Michalitsch, Gabriele (2006): Privatisiert. Geschlechterimplikationen neoliberaler Transformation, in: Lemke, Meike/Ruhe, Cornelia/Woelki, Marion/Ziegler, Beatrice (Hg.): Genus Oeconomicum. Ökonomie – Macht – Geschlechterverhältnisse, Konstanz, 119-129.

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