Eigentlich nur die Assistenten ihrer Frauen

Weil es hier gerade Thema war und ich diesen Text wirklich sehr, sehr lesenswert finde: Mikael Krogerus beschreibt in seinem Artikel Ich kann Kinder in Der Freitag was es für ihn bedeutet, als Vater die Hälfte der Haus- und Kinderarbeit zu übernehmen und nicht nur Assistent seiner Frau zu sein (via fuckermother).

Und tatsächlich schienen immer mehr zu „reduzieren“, aber ganz offensichtlich kamen sie viel besser klar als ich. Sie waren entspannt, litten sogar ein wenig an Langeweile und sehnten sich nach dem Job. Aber hey: Das klang nach einem prima Leben. Ich wurde neugierig. Aber bei genauerem Hinsehen waren es doch oft die Frauen, die die „Care-Arbeit“ leisteten, weil sie einfach immer wissen, wo der Impfausweis liegt. Die Männer wurden mit ein bisschen Hausarbeit gleich als emanzipierte Wunderkinder gefeiert. Sie teilten zwar die Kinderfürsorge, waren aber weiterhin der Ansicht, dass die Mutter für die Kleinen wichtiger ist. Die anderen Männer waren eigentlich nur die Assistenten ihrer Frauen.

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Der Mann ist in Karenz – feministmum beobachtet sich selbst

Seit Anfang April ist der Mann in Karenz und das ist in erster Linie sehr, sehr gut! Ich kann wieder mehrere Stunden am Stück konzentriert arbeiten (das hängt ein bisschen von der Nacht davor ab, aber dennoch….). Ich werde nicht ständig unterbrochen – eine der größten Herausforderungen der letzten Monate und vermutlich des Elternseins überhaupt. Sehr gut beschrieben ist diese Daseinsform übrigens hier.

Doch neben all der Erleichterung, die diese neue Konstellation mit sich bringt, hat sie auch einige überraschende Empfindungen in mir ausgelöst.

Ich mache mir Sorgen. Nein, keine Sorgen um das Kind. Ich mache mir Sorgen um den Mann. Wird ihm das nicht zu langweilig werden? Den ganzen Tag mit einem Baby abhängen kann mitunter ziemlich fad sein. Wird ihm früher oder später die Decke auf dem Kopf fallen und wird er dann alles hinschmeißen? Und was dann?

Und ich bin dankbar. Ich habe das komische Gefühl, dass ich dem Mann dankbar sein muss, dafür dass er das macht. Ja, ich weiß, das ist totaler Blödsinn und dennoch kommt dieses Gefühl mitunter durch. Das hat schon in der Schwangerschaft begonnen, als ich gesagt habe: „Ich finde es super, dass du auch in Karenz gehen willst.“ und er geantwortet hat: „Ich finde es auch super, dass du auch in Karenz gehen willst.“ Schon damals wurde mir klar: Hier stimmt etwas nicht. Ich fühle mich in unterschiedlichem Ausmaß für das Kind zuständig und verantwortlich.

Und dennoch schreibe ich meine Empfindungen nicht einer gestörten Gefühlswelt zu. Ich denke sie entspringen einer Realität, in der es sich Männer aussuchen können. Sie können es sich aussuchen, ob sie ihren Part der Kinderbetreuung übernehmen wollen oder nicht und sie bekommen für jegliche Entscheidung gesellschaftlichen Rückenwind. Gehen sie nicht in Karenz, so ist es der Normalfall, der nicht kommentiert wird. Gehen sie doch in Karenz werden sie normalerweise von vielen Seiten gelobt und unterstützt.  (Ja, ich weiß, das trifft nicht so ganz auf die Arbeitswelt zu und es gibt auch Männer, die gemobbt werden, weil sie in Väterkarenz gehen wollen. Aber sprechen wir einmal von denen, die solche Erfahrungen nicht machen, und ich gehe davon aus, dass das die Mehrheit der Väter ist.)

Und natürlich stellt sich in dieser Hinsicht immer auch die Frage, wie es umgekehrt ist. Machen sich Väter Sorgen darüber, dass ihre Partner_innen die Kinderbetreuung hinschmeißen könnten? Dass ihnen langweilig wird und die Decke auf den Kopf fällt. Ich wage zu behaupten, dass der Mann sich keinen einzigen Tag lang mit solchen Fragen beschäftigt hat, als ich in den letzten Monaten das Kind geschaukelt habe.