Radfahren mit Baby an Bord – geht das?

Radfahren macht unabhängig, stark und selbstbewusst.

Unabhängig von finanziellen Ressourcen. Es ist wohl das günstigste Verkehrsmittel überhaupt. Stark, weil es meinen Körper stärkt und meinen Kopf durchlüftet und selbstbewusst, weil es mir immer wieder abverlangt mich im Autoverkehr durchzusetzen und mein Recht auf Raum einzufordern.

Ihr seht schon, ich bin eine große Anhängerin des Fahrrads und davon überzeugt, dass es in der Stadt kein besseres Fortbewegungsmittel gibt.

Dementsprechend frustriert war ich, als ich mich damit auseinandersetzten musste, wie ich in den ersten Lebensmonaten meines Kindes radfahren soll.

In der Schwangerschaft war es noch einfach und funktionierte genauso gut wie nicht schwanger. Zumindest habe ich das so erlebt.

Bild schwangere Radfahrerin

Foto: simplybikeblog.com

Erfahrungsberichte zu „cycling while pregnant“ findet ihr zum Beispiel auch hier.

Doch wie fährt frau Fahrrad mit einem Baby, das noch nicht sitzen kann? Die übliche Antwort auf diese Frage lautet: gar nicht. Eine frischgebackene Mutter begibt sich nicht nur in Arbeitskarenz sondern auch in Fahrradkarenz.

Doch das ist nicht unbedingt notwendig. Es gibt zum Glück einige Lösungen wie mensch in Begleitung eines Babys Radfahren kann. Babyschalenadapter für den Gepäcksträger zum Beispiel (in Skandinavien angeblich sehr beliebt, habe ich sie in Wien noch nie gesehen), eine Babyschale für den Fahrradanhänger oder ein Lastenrad, indem das Baby in der Babyschale transportiert werden kann. Wir haben uns für einen Fahrradanhänger plus Babyschale entschieden und seit das Kind ca. 4 Monate ist und es auch wieder wärmer geworden ist, sind wir damit unterwegs.

foto: feministmum

Eine neue Lösung für den Babytransport hat Nina Maria Nadolny aus Kassel entwickelt – den Babybiker. Sie hat sich Gedanken darüber gemacht, dass manche Eltern ihr Baby während der Fahrt gerne im Blick haben, was beim Transport im Anhänger oder am Gepäcksträger nicht der Fall ist. Um dieses Problem zu lösen hat die Produktdesignerin den Babybiker entwickelt. Leider wird er noch nicht produziert, was sich aber in naher Zukunft hoffentlich ändern wird.

Super finde ich, wenn Gemeinden die Anschaffung eines Fahrradanhängers für Kinder fördern, wie das zum Beispiel einige Gemeinden in Vorarlberg und Niederösterreich tun.

Bleiben noch die oft zu schmalen Radwege – begegnen sich zum Beispiel zwei Radfahrer_innen mit Anhänger wird es problematisch – die Schwierigkeit sich auf die Rücksichtnahme von Autofahrer_innen zu verlassen und sich von der nicht immer wohlwollenden  Umgebung (Stichwort: „Muss das denn sein?“, „Das ist ja viel zu gefährlich.“) nicht beeindrucken zu lassen.

Für mich bringt die Möglichkeit ein Baby am Fahrrad mitzunehmen ein Stück des alten Freiheitsgefühls zurück und macht außerdem sehr viel Spaß – besonders dem Baby, auf jedem Fall meinem.

Zum Weiterlesen:

  • die aktuelle Ausgabe der Anschläge beschäftigt sich mit „Feminismus und Fahrradliebe“.
  • Frauen fahren in Wien weniger Rad als Männer – so die Ergebnisse der „Fahrradnutzung in Wien 2009„.
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6 Gedanken zu “Radfahren mit Baby an Bord – geht das?

    • Danke für deinen Kommentar! Ja, sieht irgendwie interessant aus. Ich finde es in jedem Fall fein, wenn sich frau Gedanken über dieses „Problem“ macht und auch gleich eine Lösung dafür entwickelt.

  1. Hallo feministmum!
    Ich bin gerade schwanger und du hast mich soeben richtig geschockt! Ich fahre schon seit Jahren Fahrrad – überallhin! In den letzten Schwangerschaftsmonaten wollte ich das Ganze einschränken oder ganz verzichten. Jedenfalls war ich nicht darauf gefasst oder habe nicht bedacht, dass das nach der Entbindung noch viele Monate dauern würde! Wie furchtbar! Aber die Möglichkeiten, die ihr beide hier ansprecht scheinen mir ganz sinnvoll. Ich würe wohl am ehesten noch zum Baby-biker tendieren! Na dann drücken wir doch die Daumen, das das Ding innerhalb der nächsten 5 Monaten in Produktion geht 🙂

  2. die nächste phase in der mobilitätsherausforderung am rad: was wenn das kind zu groß ist für den kindersitz bzw. dieser von einem anderen beansprucht wird, es aber noch nicht alt genug für längere strecken auf der straße ist.

    unlängst bin ich übrigens auch von einem polizeibeamten zurechtgewiesen worden, daß das ältere kind auf seinem rad noch nichts auf der straße verloren hätte. in der stvo steht das nicht, zeigt aber, daß kinder am liebsten von der straße verbannt werden sollten, im sinne eines fließenden autoverkehrs….

  3. Wir wickeln die Kleine fest ins Tragetuch. Damit fühlen wir uns am sichersten. Die Anhänger…da ist sie so weit weg und ich kann das meiner Meinug nach gerade im Straßenverkehr zu wenig kontrollieren. Tragteuch ist offiziell nicht erlaubt, aber als mich die Polizisten dann mal darauf aufmerksam machten, dass ich sie ja auch in den Fahradsitz setzen kann musste ich leider antworten: sie kann noch gar nicht sitzen. Dann war auch Ruhe 🙂
    Wir fahren ruhig und bedacht, dann droht da auch keine Gefahr, bzw. nicht mehr oder weniger als mit Anhänger, Maxi Cosi im Auto oder im Kinderwagen.

  4. Hallo Radlerinnen
    Mein Baby trug ich stundenlang im Tuch – und es blieb da auch drin, wenn ich aufs Fahrrad stieg. Mag sein, dass das illegal war – ist mir egal, und dem damaligen Baby, das nun 8 Jahre ist und leidenschaftlich Rad fährt, tat der Körperkontakt nur gut. Ich bin erstaunt, dass dieser Vorschlag nicht schon lange vorher gemacht wurde. Das Baby weglegen in eine Rad-Schale? Mir unvorstellbar.
    Nique

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