Das bisschen Hausarbeit…

Auf science.orf.at gibt es derzeit einen Bericht von Cornelia Koppetsch über ihre Studie zur gleichberechtigten Hausarbeitsverteilung in heterosexuellen Paarbeziehungen. Ist doch gut, wenn die “Sphäre” privater Haushalt Gegenstand von Forschungsarbeiten wird und es dafür offensichtlich auch Geld gibt, denke ich mir vor dem Lesen.

Doch der Text lässt mich frustriert zurück. Ich werde das Gefühl nicht los, dass der Bericht reproduziert, was er eigentlich kritisieren will (oder meiner Ansicht nach soll): Frauen werden dafür verantwortlich gemacht, dass sie nicht in der Lage sind ihre Partner dazu zu bringen, mehr Hausarbeit zu übernehmen bzw. noch schlimmer, dass sie sich diese Situation jetzt auch noch “schönreden” (müssen), weil es ohnehin keinen Ausweg zu geben scheint.

Damit trägt der Artikel (und auch die Studie?) zur Individualisierung und Privatisierung eines Problems bei, dass kollektiviert und politisiert werden muss. Und er trägt auch dazu bei, dass Männer es sich weiterhin aussuchen können, solange bis “die Frauen” endlich eine Lösung für “ihr” Problem gefunden haben.

Foto: healthland.time.com

Doch werfen wir einen Blick auf den Text und die Stellen, die mich diese Behauptung aufstellen lassen. Vor allem die Darstellung der Beispiele erachte ich als problematisch. Da wird berichtet von Heiko und Brigitte. Heiko ist derzeit in Erziehungsurlaub, während Brigitte Vollzeit arbeitet. Im Text klingt das dann so:

“Dann hilft er mit”.

Doch die Wirklichkeit sieht anders aus: Was Heiko als Übernahme “des ganzen Programms” der Hausarbeit bezeichnet, ist lediglich ein bestimmter Ausschnitt. Brigitte über das morgendliche Ritual: “Dann ziehe ich sie an, mach Frühstück, und dann müssen die Kinder fertig gemacht werden, da hilft dann aber Heiko, wenn er denn aufwacht.” Bevor Heiko sich morgens rührt, hat seine Frau bereits das meiste erledigt. Geändert hat sich nur, dass sie den Tisch nicht mehr abräumt, bevor sie geht – eigentlich eine Selbstverständlichkeit bei der neuen Rollenverteilung. Trotzdem sagt Brigitte: “Das ist jetzt ein bisschen eine privilegierte Situation, weil er zu Hause ist.”

Überspitzt gesagt, wird hier eine naive Frau dargestellt, die meint ihr Mann übernehme einen angemessenen Teil der unbezahlten Versorgungsarbeit und in Wahrheit liegt er auf der faulen Haut herum, während sie sich abrackert. Doch dann kommt zum Glück eine Forscherin und analysiert für die Frau, wie “die Wirklichkeit” wirklich aussieht.

In dem (übrigens im gesamten Text) überwiegend Frauen zitiert werden, wird ihnen das Problem in den Mund gelegt und ihre scheinbare Hilflosigkeit unterstrichen. Koppetsch kommentiert die Situation von Heiko und Brigitte folgendermaßen:

Brigitte findet all das “nicht problematisch”. Formulierungen wie “dann hilft er auch mit” sind darauf ausgelegt, die jetzt erreichte Gleichverteilung der häuslichen Arbeiten hervorzuheben. Dennoch wird deutlich, dass diese Dinge nach wie vor in den Zuständigkeitsbereich der Frau fallen.
Auch andere Paare unterliegen der Illusion, dass ihre Beziehung von einer Praxis der Gleichheit bestimmt sei.

Interessant an dieser Stelle ist der Wechsel von “Brigitte” zu “auch andere Paare” – und das ist es, was ich dem Text besonders anlaste. Er spricht nicht von den Männern und er spricht nicht von Geschlechterhierarchien oder männlichen Privilegien, er spricht von “Paaren” die einer “Illusion unterliegen”, meint dabei aber “Frauen, die einer Illusion unterliegen.”

Die Situation wird so dargestellt, als ob zwei gleichberechtigte, unabhängige Verhandlungspartner_innen vor der Aufgabe stünden, Arbeit gleichberechtigt zu verteilen. Beide sind daran interessiert, dass diese Verteilung gerecht abläuft, also jede_r zu gleichen Teilen Arbeit übernimmt. Die Ausverhandlung passiert, wie in einem Spiel, in einem fiktiven Raum ohne gesellschaftlichen Kontext. Trotz all der Bemühungen endet es aber immer wieder so, dass eine Person mehr Arbeit abbekommt. Doch anstatt gegen diese Ungerechtigkeit zu kämpfen fügt sich diese Person und findet für sich selbst naive Begründungen, warum das schon in Ordnung sei. Dann kommen wissende Forscherinnen und zeigen dieser Person auf, dass sie eigentlich ziemlich naiv ist. Zufälligerweise ist diese Person immer die Frau.

Diese Art der Darstellung bringt uns meiner Ansicht nach keinen Schritt weiter in der Lösung des eigentlichen Problems (und dazu sollte Forschung doch beitragen, nicht wahr?).

Die Fragen, die die Autorin stellt sind dabei teilweise durchaus vielversprechend. So zum Beispiel diese hier:

Wo liegen die Gründe dafür, dass Paare trotz des Anspruchs partnerschaftlicher Gleichheit traditionellen Rollenmustern verhaftet bleiben?

Ja, darauf hätte ich gerne eine Antwort, die auch Lösungsansätze parat hält. Frau Koppetsch bietet folgende:

Ein wesentlicher Grund dafür besteht in der Tatsache, dass die Wirklichkeit des Paares weniger durch Absichtserklärungen und Entscheidungen, sondern im Wesentlichen auf der Ebene der etablierten Alltagspraxis, das heißt der inkorporierten Gewohnheiten und Praktiken, begründet wird.

Das ist ziemlich abstrakt, aber damit kann ich zumindest etwas anfangen. Eine mögliche Handlungsweise inkorporierten Gewohnheiten und Praktiken zu entgehen stellt KhaosKind in ihrem Blogeintrag als Reaktion auf den Artikel von Koppetsch hier dar.

Was die Forschung in dieser Hinsicht betrifft, wünsche ich mir, dass wir endlich auf die Seite der Männer schauen und dass das “Problem” gesellschaftlich kontextualisiert betrachtet wird. Ich wünsche mir Forschung darüber, welche Strukturen und gesellschaftlichen Kontexte es möglich machen, dass Männer sich in der Sphäre des Privaten, vor der Hausarbeit drücken können (und dabei bitte nicht die Schuld bei den Frauen suchen). Ich wünsche mir Forschung darüber, wie männliche Solidarität in dieser Hinsicht funktioniert, welche Diskurse und Narrative es dazu gibt und wie Männer, die ihren Part nicht übernehmen, in der Lage sind ihr Handeln mit ihrem Gerechtigkeitsempfinden in Einklang zu bringen.

Und ich wünsche mir, dass Männer dieses Problem als “ihres” annehmen, dazu forschen, sich dazu öffentlich äußern und mit ihren Freunden darüber diskutieren.

Auch Frauen sollten sich weiterhin darüber austauschen und nicht verstummen. Ich nehme in meinem Umfeld wahr, dass Frauen immer weniger darüber diskutieren und ihren Frust weniger äußern. Mit zunehmendem Alter und meist damit verbundenen anderen Lebensentwürfen (in der WG war das Einfordern eines Putzplans noch selbstverständlich, aber in einer Paarbeziehung?) wird auch weniger darüber entsprochen. Doch wir sollten darüber sprechen, uns austauschen und bestärken und uns gegenseitig ermutigen einen neuen Weg zu gehen.

Barbara Duden bei den Wiener Vorlesungen: Frauen in prekären Verhältnissen

Im April war Barbara Duden bei den Wiener Vorlesungen zu Gast. Das ging leider an mir vorüber. Zum Glück gibt es eine Aufzeichnung davon, die derzeit auf ORFIII online zu sehen ist. Barbara Duden erläutert in ihrem Vortrag warum ihrer Ansicht nach die Rhetorik von Politiker*innen, vor allem auch von EU Politiker*innen janusköpfig sei, wenn es um Frauenförderung und Gleichstellung geht. Die Rhetorik ist nur scheinbar frauenfreundlich und verspricht Gleichheit, die politische Umsetzung verfolgt aber ganz andere Ziele. Es werde zum Beispiel sehr viel von der Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen gesprochen, de facto gingen die ökonomischen Umstrukturierungen der letzten Jahre aber weitgehend zu Lasten von Frauen.

Foto: tvthek.orf.at

Wenn darauf hingewiesen wird, dass die Erwerbsquote von Frauen wieder gestiegen sei und daran Emanzipation festgemacht wird, empfindet sie das als heuchlerisch. Wurden doch die existenzsichernden Erwerbsarbeitsverhältnisse in den letzten Jahren immer weniger.

Dudens Mitdiskutantin Bettina Haidinger (sie soll offensichtlich die junge Feministin, die Barbara Duden gegenübergestellt wird, repräsentieren) wird gegen Ende der „Vorlesung“ von Moderator Christian Ehalt gefragt, wie denn junge Frauen die Entwicklung der Frauenbewegung sehen würden. Ihre Antwort:

„Nicht dass es nur keine Frauenbewegung mehr gibt, wobei ich auch vorsichtig wäre mit dem Wort Frauenbewegung, weil es ja viele Frauenbewegungen gegeben hat und das ja kein Einheitsding ist, aber es gibt ja überhaupt keine relevanten sozialen Bewegungen mehr.“

Es ist schade, dass sie das so gesagt hat, denn es gibt eine sehr lebendige feministische Bewegung in Österreich und ich finde es kontraproduktiv, wenn Feministinnen die Gelegenheit davon zu erzählen nicht nutzen!

Damit zumindest ich hier die Gelegenheit mal wieder nutze, sei zum Beispiel (Achtung, sehr kleine subjektive Auswahl!) auf die 20000Frauen verwiesen, oder auf das Frauencafe (FC Feminista), oder auf so tolle Projekte, wie die Frauensommeruni oder das Frauenfußballturnier „Fußballade“ oder das Musikfestival „rampenfiber“ – die alle kommenden September in Wien stattfinden.