Treffen feministischer Mütter am Frauentag

international_womens_dayDer 8. März naht und mir ist es wie jedes Jahr ein Anliegen, diesen Tag mit anderen Feministinnen zu verbringen. Schon länger denke ich außerdem darüber nach, dass es schön wäre mit feministischen Müttern auch außerhalb des Internets mehr Kontakt zu haben. In diesem Kontext habe ich mit einer Freundin die Idee geboren, einfach mal für den Frauentag ein Treffen hier vorzuschlagen. Also, liebe feministische Mütter aus Wien und der ganzen Welt, wenn ihr Lust habt mit uns über Feminismus und Mutterschaft zu plaudern, oder einfach nur einen gemeinsamen Kaffee zu trinken. Kommt vorbei! Wir freuen uns darauf euch kennen zu lernen!

Wann: 8.3.2013 ab 10:00

Wo: Dschungel im MQ Wien

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Was? Das Kind ist schon in der Krippe?

Wir haben es irgendwie geschafft einen Krippenplatz zu ergattern. Die von fuckermothers beschriebenen Erfahrungen gelten teilweise auch für Wien. Vor allem sind die Vergabekriterien für die Plätze total undurchsichtig. Bei unseren „Krippentouren“ hatte ich immer das Gefühl, wir sind als Familie bei einem Vorstellungsgespräch. Und die Frage „Warum sind sie nicht schon in der Schwangerschaft gekommen?“ konnte ich bald nicht mehr hören.

Nun gut, letztendlich hat es ja irgendwie geklappt. Zum Glück. Die Eingewöhnung ist super verlaufen (die wussten, wie sie das organisieren!). Kurz gesagt: wir sind alle zufrieden.

Mutter-Kind-Beziehung

Gäbe es da nicht dieses konservative „Ideal“ der Gestaltung der Mutter-Kind-Beziehung, das permanent an mich herangetragen wird. Es kommt ungefähr so daher: nach einer „natürlichen“ (=vaginalen) Geburt, wird das Kind solange gestillt (und getragen) wie das Kind (und der Mann und das restliche Umfeld) das möchte. Mama (und bitte nur Mama) bleibt zumindest bis zum dritten Lebensjahr des Kindes „zuhause“ (=erwerbsarbeitet nicht). Wenn es das Einkommen des „Alleinverdieners“ ermöglicht, gerne auch länger.

Abweichungen von diesem Ideal müssen entweder mit Not entschuldigt („Ich muss arbeiten, wir können uns das sonst nicht leisten“) oder permanent gerechtfertigt werden. Mir ist bewusst, dass die Mehrheit der Familien dieses Ideal nicht lebt, aber davon lässt sich ja ein Ideal nicht (so schnell) beeindrucken. Der gesellschaftliche Normierungsdruck wirkt und wirkt und wirkt.

Wie soll ich reagieren, wenn mir eine AHS Lehrerin erzählt, dass sie bei Schüler*innen, die bereits so früh „weggegeben“ wurden, soziale Defizite erkennen kann und sie die Krippenkinder unter allen Kindern identifizieren kann?

Oder wenn die Nachbarin der Eltern am Land mich fragt, ob ich denn so hoch qualifiziert sei, dass das Kind schon in die Krippe müsse?

Oder wenn eine Frau, die ich zum ersten Mal sehe, mich fragt, wie ich emotional damit klar komme, dass ich mein Kind schon so früh* weggebe.

(* „so früh“ bedeutet in unserem Fall mit 12 Monaten – in vielen anderen Kontexten, wäre das vielleicht „so spät“.)

Mediale Darstellung

Wie gesagt, ich bin zufrieden. Rundum zu frieden. Solange ich keine Mainstream-Zeitungen aufschlage. Denn dort wird das Thema Eingewöhnung meist ungefähr so verhandelt: Ein armes Häuffchen Elend sitzt in einer Ecke und schluchzt den ganzen Vormittag vor sich hin. Das bemerkt noch nicht einmal eine Betreuerin, denn die hat so viel zu tun, dass sie sich nicht um jedes Kind „individuell“ kümmern kann. Das Personal ist in vielen Krippen nicht ausreichend und die Bedingungen sind sicher nicht immer ideal. Aber darauf wollen die Medien eher selten hinaus. Ziel dieser Darstellung ist meines Erachtens meist der Hinweis, dass das Kind hier eigentlich nicht sein sollte.  Etwas schöner formuliert klingt das dann zum Beispiel im onlinestandard so:

„Der kleine Bub wackelt durch den Raum. Greift nach einem Spielzeughandy, drückt es ans Ohr, plappert drauf los. Es ist der erste Tag, den er ohne seine Mutter in der Kinderkrippe verbringt. Das gespielte Telefonat mit Mama hilft, die Trennung zu ertragen. Der Bub ist gerade einmal 18 Monate alt.“

Klingt nicht ganz so furchtbar, aber auch hier wird deutlich: 18 Monate ist zu früh für die Krippe und die Mutter als erste Bezugsperson sollte eigentlich bei dem Kind sein.

Die Mainstreammedien schreiben viele Dinge, die ich kaum aushalte und meist einfach nicht lese. So soll ich es auch mit der Krippenfrage halten. Aber hin und wieder, wenn mal wieder einer dieser Artikel durchs Internet gereicht wird, schaffe ich es einfach nicht wegzuschauen. Und als jüngst der Artikel „Ihr Kinderlein, kommet: Der Zwang zur Krippe“ die Runde machte, stimmte mich besonders nachdenklich, wie Jesper Juul hier als Krippengegner instrumentalisiert wird.

Vor der Eingewöhnung des Kindes, dachte ich, es wir in jedem Fall tränenreich und schrecklich werden, aber wir werden das schon irgendwie schaffen. Im Nachhinein wundert mich diese Erwartungshaltung. Es war nicht tränenreich und schrecklich. Es war behutsam und einfühlsam und das Kind ging vom ersten Tag an gerne in die Krippe.