Warum es den Begriff „Teilzeitfalle“ nicht geben soll

Jedes Mal wenn ich den Begriff „Teilzeitfalle“ höre, ärgere ich mich. Aber warum eigentlich?

  • Weil der Begriff „Teilzeitfalle“ suggeriert, dass eine Person wider besseren Wissens in eine Falle getappt ist. Er unterstellt, dass Frauen* nicht verstehen, dass weniger Einkommen irgendwann auch weniger Pension bedeuten wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das eine erhebliche Anzahl an Menschen noch nicht verstanden hat.
  • Weil der Begriff „Teilzeitfalle“ wie eine Anrufung ausschließlich an Frauen* gerichtet wird („die Teilzeit ist weiblich“ ist eine weitere beliebte Floskel) und dabei aber nicht angesprochen wird, worüber meiner Ansicht nach gesprochen werden muss. Zum Beispiel darüber, dass wir Arbeitszeitverkürzung für alle fordern sollten und nicht Anpassung an das männliche Vollzeiterwerbsideal für alle. Oder darüber, dass Frauen*, die sich angeblich in der „Teilzeitfalle“ befinden, tatsächlich viel mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, der unbezahlte Teil ihrer Arbeitsstunden sich aber weder auf ihr Einkommen, noch auf ihre Pensionsversicherungsbeiträge auswirkt.
  • Weil für mich das Propagieren der „Teilzeitfalle“ eine weitere Strategie ist, Frauen* für ihre prekären Erwerbsarbeitslagen selbst verantwortlich zu machen. So nach dem Motto: Wenn ihr euch später darüber aufregt, dass ihr so wenig Pension bekommt, dann können wir euch zumindest daran erinnern, dass wir euch vor der „Teilzeitfalle“ gewarnt haben.

Ärgert ihr euch auch über den Begriff „Teilzeitfalle“? Wenn ja, warum?

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