Vom Alleinesein

Vor ein paar Jahren war ich auf einer Klausur mit meinen damaligen Arbeitskolleg_innen. Traditionellerweise wurde nach dem Abendessen bis spät in die Nacht zusammengesessen. Eine Kollegin verabschiedete sich direkt nach dem Essen. Sie wolle unbedingt ein paar Stunden alleine in ihrem Zimmer sein. Sie habe das sonst nie.

Ich fand das damals schockierend. Alleine in meiner Wohnung war die Art und Weise, wie ich einen Großteil meiner Zeit verbrachte. Ich hielt und halte Alleinesein für eine wichtige Lebensressource. Aussagen wie die meiner Kollegin ordnete ich ein in die Reihe von Argumenten, warum ich nie mit einem Partner zusammenleben wollte und warum Kinder haben unmöglich erschien.

Als ich schwanger war bin ich zu meinem Freund gezogen und in der Zwischenzeit sind wir in eine größere Wohnung umgezogen. In den ersten sechs Monaten nach der Geburt meines Kindes war ich nie mehr als zwei Stunden alleine. Unvorstellbar. Ich war ganz oft ohne Kind, aber ich war ganz selten nur mit mir. Früher dachte ich immer, wenn schon zusammenziehen, dann nur unter der Bedingung eines eigenen Zimmers für jede_n.

Der (geförderte) Wohnbau und die dahinterstehenden Architekt_innen konstruieren die ideale Familienwelt mit. Im Plan unserer Wohnung ist fein säuberlich eingezeichnet in welchem Zimmer das Doppelbett der Eltern steht und wo das Kind spielt. Natürlich können die Räume einfach anders genutzt werden. Wir nutzen sie nur zufällig genau so wie vorgesehen. Meistens fühlt sich das auch ganz gut an. Aber manchmal.

Wir sprechen viel darüber, wie toll es ist ein Kind zu haben und wie toll es im speziellen ist unser Kind zu haben. Wenn es darum geht, was wir dennoch vermissen, dann ist alleine Zeit zuhause zu verbringen ganz oben auf der Liste. Wir sind eifersüchtig aufeinander, wenn sich eine_r einen Nachmittag freispielen kann und dadurch mehr Zeit für sich hat.

Im Moment verbringe ich ein ganzes Wochenende alleine zuhause. Der Freund und das Kind sind zu den Großeltern aufs Land gefahren. Ich habe keine Verabredung, keine Arbeit, keine Aufgaben. Es fühlt sich großartig an. Bitte mehr davon.

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5 Gedanken zu “Vom Alleinesein

  1. Oh wie sehr geniesse ich es doch, alleine zuhause zu sein. Ich bin froh wenn ich dann mal keine Aufträge habe! Meist ist die Zeit leider viel zu schnell um und ich kann fast nie behaupten, alles erledigt zu haben, was ich wollte und v.a. komme ich nie dazu, mal zurückzulehnen und zu entspannen, einen Film zu schauen od ein Buch zu lesen. Ich wünschte fast, mein Mann würde abends mal ausgehen damit ich Zeit für mich allein hab. Klingt vlt schrecklich aber ich lechze echt nach Zeit mit mir allein…

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