Diese Langsamkeit

Je größer der Bauch wird und je mehr meiner Energie das Baby zum Leben und Wachsen braucht, umso mehr zwingt mich das Schwangersein zur Langsamkeit. Alltägliche Dinge wie Anziehen, Kochen, Kind1 versorgen brauchen länger, verlangen mir mehr Geduld ab. Ich kann nicht mehr schnell gehen, geschweige denn laufen, beim Radfahren muss ich Pausen einlegen und überlege mir zunehmend, ob ich absteigen und schieben soll, wenn es mal bergauf geht. Dabei liebe ich das Radfahren, es vermittelt mir trotz allem das Gefühl von Energie und Geschwindigkeit.

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Ich weiß, dass diese Langsamkeit nur eine erste Vorankündigung der Langsamkeit im Leben mit Baby ist.
Mit einem Säugling verlangsamt sich das Leben noch einmal um ein Vielfaches, so habe ich es zumindest mit Kind1 empfunden. Ich bin rausgefallen aus dem Takt des schnellen Lebens. Habe mich in einem Zeitloch wieder gefunden, neben den anderen Langsamen in dieser Welt.

Es gibt entweder viel zu tragen oder viel zu schieben und immer einen Grund stehen bleiben zu müssen. Bis eine das Haus mit so einem kleinen Wesen verlässt, vergehen mitunter Stunden, der Bewegungsradius wird sich eine Weile wieder auf 500 Meter beschränken.

Zuhause geht auch vieles langsam, eingetaucht in den müden Taumel der schlaflosen Nächte. Stillen, Wickeln, Schlafen.

Geburtsvorbereitung heißt für mich diesmal auch wieder geduldiger werden, die Langsamkeit akzeptieren. Sich auf das Tempo eines sehr kleinen Menschen einstellen. Ich übe.

Bild (c) Thomas Hawk via flickr CC BY-NC 2.0

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Mit Baby im Bauch

Montag morgen. Ich wache auf mit einem Baby im Bauch das Schluckauf hat. Strahlend blauer Himmel, es ist der erste Tag meines Mutterschutzes. Die letzten Wochen der Schwangerschaft sind gekommen.
Das große Kind in den Kindergarten bringen, heute früher weil ich gleich einen Termin bei meiner Gynäkologin habe.
Mutterkindpassuntersuchung. Ich weiß auch bei dieser Schwangerschaft nicht was ich von dem gelben Pass halten soll. Das Wappen und das “Republik Österreich“ vorne drauf sind schon sehr absurd.
imageIch vertraue meiner Gynäkologin. Das ist das wichtigste. Anders als beim ersten Mal fühle ich mich auch nicht so kontrolliert und überwacht. Ich habe mehr das Gefühl, dass ich in der Lage bin meine eigenen Entscheidungen zu treffen.
So auch die Entscheidung diesmal zur Geburt nicht ins Krankenhaus zu gehen (wenn es anders geht). Meine Vorstellung, dass in jedem Krankenhaus, mit jeder gerade diensthabenden Hebamme, eine selbstbestimmte Geburt möglich sein müsste, hat sich bei meiner ersten Geburt leider nicht bewahrheitet. Also Geburtshaus und Wahlhebamme. Fühlt sich gut an und ich freue mich darauf. Wir sind in der privilegierten Lage, die rund 1500 Euro die das kostet (inkl. der Hebammenbetreuung ist das der Teil, den die Kasse nicht übernimmt) dafür zahlen zu können. Selbstbestimmung ist (auch) eine Frage der finanziellen Mittel. Österreich 2016.

Es sind jetzt noch ca. acht Wochen bis zum errechneten Geburtstermin, in denen ich nicht erwerbsarbeiten muss. Ich kann meine Freiheit kaum fassen, auch wenn mir das Loslassen vom Job nicht leicht gefallen ist. Ich kann endlich mal wieder in den Tag hineinleben und habe Zeit für so spannende Dinge wie zum Beispiel das Anhören dieses Vortrags von Andrea O’Reilly in dem sie darlegt, warum Mütter* ihrer Meinung nach eine eigene feministische Bewegung und Theorie brauchen. (Ist das so? Spannende Ansatzpunkte jedenfalls.)