sommer. frische

Meine Großeltern lebten auf einem Bauernhof in der Nähe des Attersees. Sie haben 28 Enkelkinder (oder waren es 27?) und ich und meine Schwester durften im Sommer manchmal bei ihnen übernachten. Halb bei ihnen und halb bei unseren Cousinen, die jetzt auch mit ihren Eltern auf dem Hof lebten. Dann schliefen wir auf dem Dachboden, einem riesengroßen Raum direkt unter dem Dachstuhl. Heiß und trocken, normeralerweise nur zum Wäscheaufhängen genutzt. In der Früh kam der Bäcker hupend in das kleine Dorf gefahren und fand es so wie wir lustig, uns die Semmeln direkt nach oben durch das kleine Fenster zu werfen.

Die Tage vertrieben wir uns am Bauernhof, beim Nussbaum mit der großen Schaukel, die auf einer Kette aufgehängt war, die schon in die Äste eingewachsen war. Ich fand das als Kind sehr beeindruckend. 

Die Erwachsenen arbeiteten den ganzen Tag. Jedenfalls bekamen wir sie kaum zu Gesicht, nur zu den Mahlzeiten. Sie hatten mit der Welt von uns Kindern so wenig zu tun, wie wir mit ihrer.

Nur am Abend, da fuhr unser Opa machmal mit uns zum Schwimmen zum Attersee. In seinem zitronengelben VW Käfer. Schwimmen gehen war etwas für nach Feierabend. Wir kamen zum Badeplatz, wenn die meisten anderen gerade nach Hause gingen und ließen uns auch nicht wirklich nieder, sondern gingen nur eine Runde schwimmen. Manchmal trafen wir dabei andere Tanten und Onkeln, die ebenfalls in der Gegend wohnten und sich auch nach der Stallarbeit abkühlten.

Beim Nachhausefahren hängten wir, so wie der Großvater unsere nassen Badesachen über die Seitenspiegel des Käfers, um sie im Fahrtwind zu trocknen. Wohlig erschöpft vom Sommertag und der angenehmen Abkühlung des Atterseewassers fuhren wir zurück.

Foto (c): Armin Leuprecht via flickr CC BY 2.0

Mein Smartphone ist so alt wie meine Tochter – Internet, Muttersein und Teilhabe

Bevor ich Mutter geworden bin, war ich immer ziemlich viel (nicht nur) abends unterwegs. Ich habe mich politisch engagiert, mich zum Beispiel bei den 20000 Frauen eingebracht, Projekte der Strickistinnen organisiert, bin zu Veranstaltungen und Diskussionen gegangen, habe Workshops auf Frauenfrühlingsunis gehalten etc.

Was mir erst aufgefallen ist als ich schwanger war: es waren in diesen Kontexten fast ausschließlich Frauen vertreten, die (noch) keine Kinder hatten, oder die bereits erwachsene Kinder hatten. Frauen mit Betreuungspflichten für kleine(re) Kinder waren so gut wie nicht anzutreffen, soweit ich das beurteilen kann.

Das fand und finde ich sehr schade. Mütter haben damit in bestimmten feministischen Kontexten keine (eigene) Stimme. Wobei ich nicht finde, dass Mütter eine grundsätzlich andere Perspektive auf die Welt haben, als kinderlose Frauen und sich ihre politischen Anliegen unbedingt unterscheiden müssen. Aber ich bin sehr wohl der Ansicht, dass sich die Phase der direkten Betroffenheit von Kinderbetreuung und Verantwortung für andere Lebewesen auswirkt und Einfluss hat auf individuelle gesellschaftliche Anliegen.

Doch woran liegt es, dass Frauen mit Betreuungspflichten gar nicht oder nur wenig kommen? Sind ihnen die Termine zu spät? Haben Sie keine Babysitter_innen? Ja bestimmt, diese Dinge spielen definitiv eine Rolle. Doch aus meiner Sicht sprechend: ich habe einfach nicht genug Ressourcen dafür. Ich muss meine Energien seit ich ein Kind habe ganz anders priorisieren. Ich muss neben Job und Kinderbetreuung viel mehr auf meinen Schlaf, meine Zeit für mich, etc. achten.

Deshalb musste ich mein Engagement teilweise runterschrauben. Was mir jetzt fehlt? Der Austausch mit anderen Feministinnen? Fehlt ist eigentlich falsch. Der Austausch hat sich nur woanders hinverlagert.

Sjoerd Lammers street photography

Sjoerd Lammers street photography

Mein Smartphone ist so alt wie meine Tochter.

Und es hat mir vielleicht in den letzten Jahren gefühlt mehrmals das Leben gerettet. Denn: ich kann teilhaben. Wenn andere feministische Bloggerinnen einen Text veröffentlichen bin ich vermutlich häufig unter den ersten die ihn lesen und oft geht mir dabei das Herz auf und fast immer werden meine Gehirnwindungen angeregt. Manchmal während neben mir gerade meine Tochter einschläft und sie gerne hätte, dass ich noch ein wenig neben ihr liegen bleibe.

Wenn mir etwas auf der Seele brennt, kann ich es jetzt sofort in die Weiten des Netzes rufen oder auch erst um 3 Uhr früh, weil ich gerade nicht schlafen kann, weil das Baby unbedingt auf mir liegen will. Und: meistens reagiert dann sogar eine darauf, und manchmal entsteht sogar ein fruchtbarer Austausch!

facebook und twitter sind ein bisschen meine zweite Heimat geworden und ja, ich sehe das auch kritisch und nicht immer ideal (bin ich schon onlinesüchtig?). Aber ohne die feministische Mütterblogger*innenszene, insbesondere umstandslos und meine virtuelle Blase auf facebook und twitter hätte ich nicht so gut reingefunden in die Welt des Mutterseins und hätte nicht so tolle Menschen real und virtuell kennengelernt und mich viel, viel mehr alleine gefühlt.

Deshalb freue ich mich, dass nun bei Kind 2 das smartphone schon vor dem Kind da ist und ich gestehe schon jetzt: während des Stillens werde ich in erster Linie in das Handy schauen! Und zwar ohne schlechtem Gewissen. Bämm!

Foto (c) Sjoerd Lammers street photography via flickr, CC BY 2.0