Warum es den Begriff „Teilzeitfalle“ nicht geben soll

Jedes Mal wenn ich den Begriff „Teilzeitfalle“ höre, ärgere ich mich. Aber warum eigentlich?

  • Weil der Begriff „Teilzeitfalle“ suggeriert, dass eine Person wider besseren Wissens in eine Falle getappt ist. Er unterstellt, dass Frauen* nicht verstehen, dass weniger Einkommen irgendwann auch weniger Pension bedeuten wird. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass das eine erhebliche Anzahl an Menschen noch nicht verstanden hat.
  • Weil der Begriff „Teilzeitfalle“ wie eine Anrufung ausschließlich an Frauen* gerichtet wird („die Teilzeit ist weiblich“ ist eine weitere beliebte Floskel) und dabei aber nicht angesprochen wird, worüber meiner Ansicht nach gesprochen werden muss. Zum Beispiel darüber, dass wir Arbeitszeitverkürzung für alle fordern sollten und nicht Anpassung an das männliche Vollzeiterwerbsideal für alle. Oder darüber, dass Frauen*, die sich angeblich in der „Teilzeitfalle“ befinden, tatsächlich viel mehr als 40 Stunden pro Woche arbeiten, der unbezahlte Teil ihrer Arbeitsstunden sich aber weder auf ihr Einkommen, noch auf ihre Pensionsversicherungsbeiträge auswirkt.
  • Weil für mich das Propagieren der „Teilzeitfalle“ eine weitere Strategie ist, Frauen* für ihre prekären Erwerbsarbeitslagen selbst verantwortlich zu machen. So nach dem Motto: Wenn ihr euch später darüber aufregt, dass ihr so wenig Pension bekommt, dann können wir euch zumindest daran erinnern, dass wir euch vor der „Teilzeitfalle“ gewarnt haben.

Ärgert ihr euch auch über den Begriff „Teilzeitfalle“? Wenn ja, warum?

Barbara Duden bei den Wiener Vorlesungen: Frauen in prekären Verhältnissen

Im April war Barbara Duden bei den Wiener Vorlesungen zu Gast. Das ging leider an mir vorüber. Zum Glück gibt es eine Aufzeichnung davon, die derzeit auf ORFIII online zu sehen ist. Barbara Duden erläutert in ihrem Vortrag warum ihrer Ansicht nach die Rhetorik von Politiker*innen, vor allem auch von EU Politiker*innen janusköpfig sei, wenn es um Frauenförderung und Gleichstellung geht. Die Rhetorik ist nur scheinbar frauenfreundlich und verspricht Gleichheit, die politische Umsetzung verfolgt aber ganz andere Ziele. Es werde zum Beispiel sehr viel von der Förderung der Erwerbstätigkeit von Frauen gesprochen, de facto gingen die ökonomischen Umstrukturierungen der letzten Jahre aber weitgehend zu Lasten von Frauen.

Foto: tvthek.orf.at

Wenn darauf hingewiesen wird, dass die Erwerbsquote von Frauen wieder gestiegen sei und daran Emanzipation festgemacht wird, empfindet sie das als heuchlerisch. Wurden doch die existenzsichernden Erwerbsarbeitsverhältnisse in den letzten Jahren immer weniger.

Dudens Mitdiskutantin Bettina Haidinger (sie soll offensichtlich die junge Feministin, die Barbara Duden gegenübergestellt wird, repräsentieren) wird gegen Ende der „Vorlesung“ von Moderator Christian Ehalt gefragt, wie denn junge Frauen die Entwicklung der Frauenbewegung sehen würden. Ihre Antwort:

„Nicht dass es nur keine Frauenbewegung mehr gibt, wobei ich auch vorsichtig wäre mit dem Wort Frauenbewegung, weil es ja viele Frauenbewegungen gegeben hat und das ja kein Einheitsding ist, aber es gibt ja überhaupt keine relevanten sozialen Bewegungen mehr.“

Es ist schade, dass sie das so gesagt hat, denn es gibt eine sehr lebendige feministische Bewegung in Österreich und ich finde es kontraproduktiv, wenn Feministinnen die Gelegenheit davon zu erzählen nicht nutzen!

Damit zumindest ich hier die Gelegenheit mal wieder nutze, sei zum Beispiel (Achtung, sehr kleine subjektive Auswahl!) auf die 20000Frauen verwiesen, oder auf das Frauencafe (FC Feminista), oder auf so tolle Projekte, wie die Frauensommeruni oder das Frauenfußballturnier „Fußballade“ oder das Musikfestival „rampenfiber“ – die alle kommenden September in Wien stattfinden.

Geschäftsführer, die eine Tochter haben, entlohnen Frauen gerechter

Die Columbia Business School kommt in ihrer Studie „Like Daughter, Like Father: How the Gender of a CEO’s Children Influences Employees‘ Wages“ zu dem Schluss, dass männliche Geschäftsführer, die Vater einer Tochter sind, ihre weiblichen Angestellten gerechter bezahlen. Das gelte vor allem für Unternehmen mit weniger als 50 Angestellten, denn hier haben Geschäftsführer größeren Einfluss auf die Gehälter ihrer Mitarbeiter_innen, als in größeren Unternehmen.

Details nachzulesen gibt es hier.