Pflegefreistellung – ein kurzer Rant

Es gibt auf diesem Arbeitsmarkt überraschenderweise ein paar Zugeständnisse an die „Nicht-Alleinverdiener“ (bewusst nur die männliche Form). An die, die keine Person zur Seite haben, die sich um alles „drumherum“ kümmert. Also an die, die eigentlich nicht zu denen gehören, für die dieser Arbeitsmarkt gemacht ist.

Zum Beispiel an Frauen, die „ausfallen“, weil sie bei einem kranken Kind zu Hause sein müssen. Denen wird (in sehr reglementierter und kontrollierter Form) eine Pflegefreistellung zugestanden. Ich würde gerne die Statistiken nach Geschlecht sehen, habe sie aber auf die Schnelle nicht gefunden. Ich wage aber zu behaupten, dass es mehrheitlich Frauen sind, die pflegefreigestellt werden.

Wir, der Vater des Kindes und ich, versuchen das mit der Pflegefreistellung so gut es geht abzuwechseln. Diesmal bin ich dran. Zum ersten Mal eigentlich. Das Kind ist zum Glück selten krank.

Mein Arbeitgeber verlangt eine ärztliche Bestätigung für diese Pflegefreistellung. Das Kind hat leichtes Fieber und Husten. Eine Angelegenheit für die ich nicht zur Ärztin gehen würde, mit der es aber nicht in die Krippe kann.

Ich versuche von unserer praktischen Ärztin die verlangte Bestätigung zu bekommen. Kind einpacken, hingehen, fragen (am Telefon ist niemand zu erreichen). Ergebnis: geht nicht, stellt sie erst für Kinder ab 3 Jahren aus. Wir müssen zur Kinderärztin. Anruf dort: Bestätigung kriegt eine gegen Bezahlung schon, aber nur wenn die Ärztin das Kind gesehen hat. Sie dürfe das nicht mehr „so“ ausstellen, denn die Krankenkasse würde das immer strenger kontrollieren.

Misstrauensvorschuss auf allen Ebenen (vom Arbeitgeber, der Ärztin, der Krankenkasse). Ja, ich mache mir mit dem eh nicht kranken Kind, in Wahrheit einen Lenz zu Hause. Ich will nämlich gar nicht (erwerbs)arbeiten, sondern alle nur ausnehmen und das Sozialsystem sowieso.

Die Kinderärztin kann sich das Kind heute nicht mehr ansehen (kein freier Termin), sondern frühestens morgen. Ausgestellt wird die Bestätigung aber erst ab dem Datum an dem das Kind untersucht und für krank befunden wurde, also auch frühestens ab morgen. Ich könne ja versuchen, eine andere Kinderärztin zu finden, die es heute noch drannimmt (hahaha, abgesehen davon, dass ich ein krankes Kind zu betreuen habe und nicht den halben Tag am Telefon hängen kann, bin ich schon zu früheren Zeitpunkten daran gescheitert, mal eben am selben Tag einen Termin bei einer Kinderärztin, die uns noch nie gesehen hat, zu bekommen).

Kurz gesagt, ich war heute „unbestätigt“ bei meinem Kind zu Hause. Wenn mein Arbeitergeber findet, dass sei unentschuldigtes Fehlen, kann er mich dafür entlassen.

Kindergärten im Sommer durchschnittlich 22,2 Tage geschlossen

Erster Elternabend in der Kinderkrippe. Erleichterung. Auf vielen Ebenen. Die Betreuerinnen sind sympathisch und nicht total entnervt. Die anderen Eltern auch. Viele sind gekommen, es gibt zu wenige Kindersessel auf denen wir sitzen können.

Die Krippe hat 54 Stunden pro Woche geöffnet. Das ist die Betreuungszeit, die wir maximal in Anspruch nehmen können. Die Leiterin meint wir sollen den Kindern maximal einen 8 Stunden Tag „zumuten“. Wir können entscheiden wann wir unser Kind bringen und abholen und das auch jeden Tag anders gestalten (wird erst nach der Eingewöhnung empfohlen).

Den Kindern soll außerdem mindestens vier Wochen Urlaub pro Jahr zugestanden werden. Ich bin überrascht. Urlaub für die Kinder? Wie ist das zu verstehen?

Die Krippe hat abgesehen von den Feiertagen nur zwei Tage im Jahr zu. Am 24. und am 31. Dezember.

Das ist Luxus. Wir leben in Wien. Wir haben Glück.

In Wien haben Kindergärten durchschnittlich an 1,5 Tagen im Sommer zu. In den anderen Bundesländern sieht das ganz anders aus. In Vorarlberg ist durchschnittlich 38,5 Tage Sommerpause und in der Steiermark sogar 42,8 Tage.

Nur 18 Prozent der österreichischen  Kindergärten sind im Sommer durchgehend geöffnet. Durchschnittlich wird für 22,2 Tage geschlossen (Quelle: Statistik Austria).

Viele Frauen arbeiten Teilzeit. Viele Frauen machen während des Jahres Überstunden, damit sie die Schließzeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen in den Sommermonaten überbrücken können. Viele Eltern konsumieren ihren Urlaub hintereinander, damit sie die Schließzeiten der Kinderbetreuungseinrichtungen überbrücken können. Viele Kinder verbringen den Sommer bei den Großeltern. Viele Eltern sind wahre Sommerferienbetreuungsmanager_innen ihrer Kinder.