Werner A. Perger stellt gönnerhaft Angela Merkels Wandlung von der Mutti zur Staatspolitikerin fest

Im aktuellen Falter (8/2015) kommentiert Werner A. Perger die politische Entwicklung Angela Merkels unter dem Titel Dem Mutti-Modus entkommen. Wir erfahren, dass Merkel im CDU-Milieu „Mutti“ genannt wurde. Das sei nun aber vorbei. Die Lage ist ernster geworden. Merkel stehe vor sehr herausfordernden Situationen. Mit beschwichtigenden Botschaften Marke ‚Mutti‘ kommt man da nicht weiter. Das hat Merkel aber zum Glück verstanden. Nach Perger hat sie sich in letzter Zeit überraschend durchsetzungsstark gezeigt, ihre Meinung geäußert und war ganz Staatspolitikerin und nicht mehr Mutti.

Sie schreibt am nächsten Kapitel: Es handelt vermutlich von Merkel, der Staatspolitikerin. Es markiert den Abschied von Unverbindlichkeit. Raus aus dem „Mutti“-Modus.

Ihr Verhandlungsmarathon mit Hollande, Putin und Poroschenko war ein Kraftakt, wie ihn Perger von Merkel nicht erwartet hätte, dafür spricht er ihr seinen Respekt aus. Wie sie sich da mit Hollande ins Zeug gelegt hat, fiel schon auf.

Das war ein Beitrag für Europa, das wird bleiben. Das war nicht „Mutti“. Ist das eine neue „eiserne Lady“, eine europäische Führungspersönlichkeit, wie sie unter den verantwortlichen Männern des Kontinents kaum zu finden ist?

Merkel, „die Chefin“. Die Europäerin?

Soll ich noch etwas dazu sagen? Der Vollständigkeit halber?

Es macht mich so wütend, dass Menschen, die solch misogynes, genderstereotypes Zeug schreiben, Platz in (angesehenen) Medien bekommen. Platz für die Abwertung von Frauen, in dem sie sie als Mütter bezeichnen. Platz für die gönnerhafte patriarchale „Erlaubnis“, dass sie nun auch mitspielen darf, solange sie härter und durchsetzungsstärker als „die verantwortlichen Männer“ ist. Ich könnte kotzen.

Ein Vater ist ein Vater und eine Mutter ist eine Mutter

Auf science.orf.at erschien diese Woche ein Interview, über das ich mich hier kurz auslassen möchte. Aaron Salzer hat die Entwicklungspsychologin Barbara Supper interviewt, die in einem Forschungsprojekt unter anderem der Frage nachgeht, was einen guten Papa ausmacht. Beim Lesen habe ich mir mehrmals die Frage gestellt, wie absurd die Fragen und Antworten nicht ohnehin sind und wie lächerlich sie wären, würde eins „Vater“ gegen „Mutter“ im Text austauschen. Ich mache das mal zur Veranschaulichung für die letzte Frage des Interviews:

Nach dem aktuellen Wissenstand, was macht einen guten Papa aus?

Es ist nicht relevant, ob ein Vater täglich Zeit mit seinem Kind verbringt. Es ist viel wichtiger, auf welche Art und Weise die Interaktion verläuft. Es zählt die Qualität der Beziehung: Wenn ein Vater Zeit mit seinem Kind verbringt, dann sollte er ein toller Spielpartner sein, der sich auf das Kind einstellt und mit dem Kind etwas unternimmt. Wesentlich ist: wenn er da ist, dann ist er in seiner Rolle.

[Nach dem aktuellen Wissensstand, was macht eine gute Mutter aus?

Es ist nicht relevant, ob eine Mutter täglich Zeit mit ihrem Kind verbringt. Es ist viel wichtiger auf welche Art und Weise die Interaktion verläuft. Es zählt die Qualität der Beziehung: Wenn eine Mutter Zeit mit ihrem Kind verbringt, dann sollte sie eine tolle Spielpartnerin sein, die sich auf das Kind einstellt und mit dem Kind etwas unternimmt. Wesentlich ist: wenn sie da ist, dann ist sie in ihrer Rolle.]

Aber wir wissen ja, ein Vater ist ein Vater und ein Spielpartner und eine Mutter ist eine Mutter und keine Spielpartnerin. Ich werde versuchen daran zu denken, wenn ich das nächste Mal Zeit mit dem Kind verbringe.