02.03.2015

montagspostLetzte Woche war ich endlich mal wieder im Theater. DU GINGST FORT von den Rabtaldirndln (einer sehr tollen Theatergruppe aus der Steiermark) habe ich im brut gesehen. Das Stück thematisiert das Weggehen vom Land (hier dem fiktiven Rabtal) und den Auswirkungen auf die Daheimgebliebenen ebenso wie auf die Weggehenden. Ein Thema, das auch mich “Wahlstädterin” und viele in meinem Umfeld geprägt hat und immer wieder beschäftigt. Ein sehr sehenswertes Stück! Auf diestandard gab es eine gute Rezension dazu. In der Ankündigung heißt es: Auch die Rabtaldirndln sind einst aufgebrochen, um die beklemmenden und patriarchalen Strukturen in ihren Arbeits- und Familienverhältnissen hinter sich zu lassen. Aber irgendwann haben sie verstanden: das Land lässt dich nicht los. Das kann ich nur bestätigen ;-)

Rabtaldirndln_Dugingstfort_Nikola Milatovic_Farbe_Qm

Foto (c) Nikola Milatovic/ brut

Ein anderes Thema, das mich und viele andere gerade beschäftigt ist das Pensionskonto. Seit 2014 bekommen in Österreich alle ArbeitnehmerInnen Auskunft über ihre aktuelle Pensionshöhe, also den Betrag den sie monatlich bekommen würden, würden sie jetzt in  gehePension. Diese Auskunft soll offenbar u.a. Frauen dazu bewegen, ihren niedrigen Pensionen rechtzeitig entgegenzuwirken (frei nach dem Motto, wir haben es euch ja gesagt). Die dabei verteilten Ratschläge sind meistens so zynisch wie: arbeite Vollzeit, ausschließlich in lukrativen Jobs, ohne Unterbrechungen für Kinderbetreuungs- oder Pflegekarenz, schaff dir eine Eigentumswohnung an und mache keine langen Ausbildungen. Brigitte hat auf der Denkwerkstatt eine Ausgabe der Zeitschrift “Gleichstellung kompakt” des Fachbereichs Frauen und Gleichstellung des Landes Tirol, die sich dem Thema Frauen und Pension widmet, sehr treffend auseinandergenommen. Selber Schuld, kein Mitleid!

Diese Woche dreht sich nun alles um den internationalen Frauentag und die diesjährigen Demos/Kundgebungen und Veranstaltungen dazu. Am Mädchenblog findet ihr eine umfangreiche Terminsammlung für Deutschland und Österreich.

Ich freue mich schon auf folgendes:

  • Weil ein #Aufschrei nicht reicht. Lesung mit anschließender Diskussion mit Anne Wizorek
    am 7. März um 18 Uhr in der Buchhandlung ChickLit, 1010 Wien, organisiert vom Verein genderraum
  • Fest zu 15 Jahre Frauenraum – 15 Jahre Kosmos Theater am 7.3. ab 15:00
  • Und am Sonntag 8.3. ist Treffpunkt für die Frauen*Lesben*Demo um 12:00 am Stephansplatz

frauendemon flyermit Redebeiträgen, Musik, Tanz, Trommeln, Lieder
vom Stephansplatz über Fleischmarkt, Schwedenplatz zum Praterstern

 

 

23.02.2015

montagspostLetzte Woche habe ich auf umstandslos eine Nachlese zu der auch hier angekündigten Frauenhetzveranstaltung Muttersein dagegen sehr-Reflexionen zu mütterlichen Aufbrüchen geschrieben. Es war ein äußert spannender Abend und mit dem empfohlenen Lesestoff bin ich fürs nächste Jahr versorgt. Außerdem wurde ich dort auf einen Termin des Verbands feministischer Wissenschafterinnen aufmerksam. Am 17.4. hält Gerlinde Mauerer einen Vortrag mit dem Titel:
Mütter, Dinge, Widerstand und Eigensinn
im Depot, Breite Gasse 3, 1070 Wien www.depot.or.at

“Mütter werden gern dafür verantwortlich gemacht, eine Ordnung der Dinge herzustellen. Das wird im Vortrag hinsichtlich (über)mächtiger Eigenarten sowie zeit- und raumvernichtender Mechanismen beleuchtet: Der Handschuh, die Mikrowelle, das Handy sind Hauptgegenstände einer Analyse, in der mach-lose Aufgaben von Haben und Besorgen(-Müssen/-Wollen/-Sollen) und scheinbar ohnmächtige Positionen im Zirkulieren von Waren und Dingen feministisch-kritisch untersucht werden.”
Moderation: Sabine Prokop, VfW

Leider gibt es auch nicht so schöne Dinge zu berichten. Frauenrechte und feministische Forderungen werden mal wieder mit Füßen getreten.

In Österreich werden Verhütungsmittel in Zukunft teurer, statt von der Krankenkasse übernommen zu werden. Wie derstandard.at berichtet, müssen Spiralen und Hormonimplantate seit 1. Jänner 2015 versteuert werden, d.h. sie kosten um 20 Prozent  mehr (es sei denn für den Gebrauch besteht eine therapeutische Notwendigkeit).

In Deutschland ist die freie Wahl des Geburtsortes in Gefahr, der Hebammenverband hat deshalb die Verhandlungen mit den Krankenkassen unterbrochen.

Die Krankenkassen wollen Hausgeburten künftig nur noch bezahlen, wenn keine Ausschlusskriterien vorliegen. Das Problem: Diese Kriterien sind bisher nicht wissenschaftlich belegt. Bei einigen, wie zum Beispiel der Terminüberschreitung, muss es Ermessensspielraum geben. Tatsächlich liegen die Hälfte aller Geburten nach dem errechneten Termin, ohne dass deshalb eine Gefahr für Mutter und Kind besteht. Zudem sollen Vorgespräche von Hebammen mit Schwangeren zur Geburt und der Wahl des Geburtsortes nicht ausreichend finanziert werden. So wird faktisch ein Großteil der Hausgeburten künftig als private Leistung definiert. Das schränkt die freie Wahl des Geburtsortes für Frauen und ihr Selbstbestimmungsrecht massiv ein (www.hebammenverband.de).

Themenwechsel: Heute war Patricia Archettes “Oscar-Rede” in aller Munde und sie wurde auf vielen feministischen Seiten gefeiert. Es gibt aber auch berechtigte Kritik daran, die sich vor allem auf diesen Teil bezieht: “It’s time for all the women in America, and all the men that love women and all the gay people and all the people of color that we’ve all fought for to fight for us now.” Andrea Grimes schreibt auf RH Realitiy Check (einer übrigens sehr empfehlenswerten Seite) warum Archettes Rede ein “Spectacular Intersectionality Fail” ist. Lesenswert!

 

Werner A. Perger stellt gönnerhaft Angela Merkels Wandlung von der Mutti zur Staatspolitikerin fest

Im aktuellen Falter (8/2015) kommentiert Werner A. Perger die politische Entwicklung Angela Merkels unter dem Titel Dem Mutti-Modus entkommen. Wir erfahren, dass Merkel im CDU-Milieu “Mutti” genannt wurde. Das sei nun aber vorbei. Die Lage ist ernster geworden. Merkel stehe vor sehr herausfordernden Situationen. Mit beschwichtigenden Botschaften Marke ‘Mutti’ kommt man da nicht weiter. Das hat Merkel aber zum Glück verstanden. Nach Perger hat sie sich in letzter Zeit überraschend durchsetzungsstark gezeigt, ihre Meinung geäußert und war ganz Staatspolitikerin und nicht mehr Mutti.

Sie schreibt am nächsten Kapitel: Es handelt vermutlich von Merkel, der Staatspolitikerin. Es markiert den Abschied von Unverbindlichkeit. Raus aus dem “Mutti”-Modus.

Ihr Verhandlungsmarathon mit Hollande, Putin und Poroschenko war ein Kraftakt, wie ihn Perger von Merkel nicht erwartet hätte, dafür spricht er ihr seinen Respekt aus. Wie sie sich da mit Hollande ins Zeug gelegt hat, fiel schon auf.

Das war ein Beitrag für Europa, das wird bleiben. Das war nicht “Mutti”. Ist das eine neue “eiserne Lady”, eine europäische Führungspersönlichkeit, wie sie unter den verantwortlichen Männern des Kontinents kaum zu finden ist?

Merkel, “die Chefin”. Die Europäerin?

Soll ich noch etwas dazu sagen? Der Vollständigkeit halber?

Es macht mich so wütend, dass Menschen, die solch misogynes, genderstereotypes Zeug schreiben, Platz in (angesehenen) Medien bekommen. Platz für die Abwertung von Frauen, in dem sie sie als Mütter bezeichnen. Platz für die gönnerhafte patriarchale “Erlaubnis”, dass sie nun auch mitspielen darf, solange sie härter und durchsetzungsstärker als “die verantwortlichen Männer” ist. Ich könnte kotzen.

Montagspost 16.2.2015 abortionfilms.org

Die neue Onlinesammlung abortionfilms.org sammelt Filme rund um die Themen ungewollte Schwangerschaft und Schwangerschaftsabbruch. Sie wurde gegründet und wird betrieben vom Österreichischen Museum für Verhütung und Schwangerschaftsabbruch.

abortionfilms

Die international ausgerichtete Sammlung ist bereits bei ihrem Start sehr umfangreich. Kategorisiert wird in Dokumentation, Reportage und Film. Zu fast allen Beiträgen werden Trailer und teilweise Downloadmöglichkeiten verlinkt. Es finden sich, so mein erster Eindruck, nicht nur wichtige Spielfilme sondern auch bedeutende historische Dokumente hier zusammengetragen, wie zum Beispiel das Video mit Johanna Dohnal auf der Startseite, produziert von der Österreichischen Gesellschaft für Sexualforschung Salzburg, in dem sie über  über die gesetzlichen Hintergründe, die 1975 im Zuge der großen Strafrechtsreform zur Fristenlösung in Österreich geführt haben, spricht.

Es gibt jedenfalls Stoff um sich mehrere Tage durchzuklicken und welche noch etwas vermisst: Hinweise werden unter info@abortionfilms.org entgegengenommen.

Montagspost 09.02.2015

Heute Nachmittag gab es für das Kind und mich (um dem Schneesturm zu entfliehen) einen Ausflug in die Bücherei. Die städtischen Büchereien in Wien sind ziemlich großartig. Es gibt Lesestoff für groß und klein, die Mietgliedschaft ist für Kinder und Jugendliche kostenlos und mensch kann sich dort nicht nur Bücher ausleihen sondern auch angenehm die Zeit vertreiben.

CC BY-NC-ND 2.0 by Steve Chilton via flickr

Was hat mich sonst so beschäftigt in der letzten Woche? In den Anschlägen gab es eine Kolumne zum Thema Elternsolidarität von Kristina Strauß-Botka, die mich nachdenklich stimmt. Elternsolidarität und Banden bilden klingt so großartig und ich bin die erste die sagt, bitte mehr davon! Aber, diese kleinfamiliären Strukturen bedingt auch durch die damit verbundenen Wohnformen (lebt eins nicht gerade in alternativen Gemeinschaftsprojekten) sind so schwer zu durchbrechen und es ist wirklich Arbeit hier neue Wege zu gehen. Wir versuchen es jedenfalls in kleinen Schritten, das Kindertauschen und sich gegenseitig helfen.

Letzte Woche erschien Getraud Klemms neuer Roman “Aberland”. Ich fand ihren ersten Roman “Herzmilch” recht beeindruckend (auf umstandslos habe ich eine Rezension dazu geschrieben, für die, die Details interessieren) und ich bin gespannt auf den neuen Text, indem Mutterschaft wieder eine zentrale Rolle spielt. In einem Interview mit der taz hat sie allerdings ein paar Dinge gesagt, die mich skeptisch machen.

Zum Beispiel das hier:

Ist die 50/50-Aufteilung der Kindererziehung wirklich so unrealistisch, wie Sie es in „Aberland“ schildern?
Ich glaube einfach, dass die Bereitschaft, ernsthaft Geld zu verdienen, bei Männern hundertprozentig ist und bei Frauen vielleicht fünfzig Prozent. Die restlichen fünfzig Prozent sind Mama-Reserve. Das Bedürfnis, sich fortzupflanzen, zieht sich durch alles: Frauen wollen schön sein, sie wollen nicht träumen, keine Raketen steuern und nicht Geld verdienen müssen. Eigentlich müsste der Fortpflanzungsprozess mit dem Arbeitsprozess kompatibel sein.

Ähm tja, die mangelnden Bereitschaft von “den Frauen” ist einfach an ganz vielem schuld. nicht.

Was sich letzte Woche auch entschieden hat: im Westen Österreichs wird es weiterhin keine Abtreibungen in öffentlichen Spitälern geben. Ein entsprechender Antrag der SPÖ im Vorarlberger Landtag wurde abgeleht, wie diestandard.at berichtet.

Sarah Diehls Buch “Die Uhr, die nicht tickt” habe ich leider noch nicht gelesen. Auf ARD gibt es grad einen guten Beitrag mit ihr “Kinderlos glücklich?! – Von Frauen, die keine Mütter sein wollen“. Sehenswert!

Auf twitter musste ich mich diese Woche kurz über “Bubenmama”/”Mädchenmama”-Aussagen aufregen.

Es ist zwar nur logische Konsequenz, dass dem Elternsein ebenfalls unterschiedliche Sphären zugeschrieben werden, je nach dem welches Geschlecht das Kind hat. Es werden ja auch den Kindern teilweise ganz unterschiedliche Lebenswelten angedacht. Dennoch bin ich immer wieder überrascht, wie weit das geht.

foto (c) CC BY-NC-ND 2.0 by Steve Chilton via flickr

Montagspost 02.02.2015

Dieser Blog liegt ziemlich brach. Das finde ich schade und es soll sich ändern! Mir gefällt die Idee eines wöchentlich erscheinenden Beitrags und ich habe die Fantasie, damit wieder regelmäßiger ins Bloggen zu kommen.

Hiermit startet also meine Montagspost, eine lose Ansammlung an Dingen, die mich gerade beschäftigen und auch mal etwas persönlicher sind, sowie nicht immer im engeren Sinne mit Feminismus und Mutterschaft zu tun haben.

Diese Woche startet mit einem kranken Kind. Der Mann und ich wechseln uns ab mit der Betreuung, d.h. ich darf am Vormittag arbeiten und er am Nachmittag/Abend. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Ist das einer der Vorteile, den uns die moderne Arbeitsweilt mit ihren flexiblen Arbeitszeiten bringt oder einer der Nachteile? Brauchen wir keine Pflegefreistellungen mehr, weil wir ohnehin immer und überall arbeiten können? Wie geht das weiter? Wenn ein Kind krank ist wird die Arbeitszeit einfach in die Nacht verschoben? Bzw. ist das für viele von uns bereits Realität?

Gerne gelesen habe ich am Wochenende einen Blogpost von kiddothekid Kind? Oder Karriere? Oder und? Zu dem Thema wurde schon alles gesagt, könnte eine meinen. Der Text bringt jedenfalls mal wieder ein paar neue Aspekte in die Debatte ein. Spannend, die Vor- und Nach-Mutter-Perspektive, falls ihr wisst was ich meine. Lesenswert jedenfalls.

Ein weiterer interessanter Text der letzten Tage ist Wie sich die Generation Zuviel selbst überfordert von Susanne Gaschke in der Welt. Der Text ist stellenweise ziemlich dramatisierend und auch in Frage zu stellen (z.B. habe angeblich die Konkurrenz auf dem qualifizierten Arbeitsmarkt, die Preise verdorben. Das finde ich doch etwas vereinfacht erklärt) aber irgendwie dennoch lesenwert. Hängengeblieben ist bei mir z.B. das hier: Obwohl es heute mehr Krippen und Kitas, mehr Frauenerwerbstätigkeit und weniger Kinder pro Haushalt gibt, verbringen Eltern heute mehr Zeit mit ihren Kindern als 1965. Um das zu schaffen, arbeiten die Väter etwas weniger; beide Eltern verzichten auf Freizeit, es wird weniger geschlafen, schneller gegangen und schneller gegessen. (Zahlen und Quellen werden dazu leider keine genannt.)

Letzte Woche habe ich mich für das Wiener Nachbarschaftsnetzwerk fragnebenan angemeldet. Es geht um Austausch und gegenseitige Unterstützung unter Nachbar_innen. Mir geht es auch darum eine Community, die es im Haus für mich bereits im Kleinen gibt, zu stärken und zu vergrößern. Mehr als 10 Menschen aus unserem Haus sind bereits da und über 300 aus der näheren Umgebung. Ich bin gespannt was sich daraus entwickelt.

Worauf ich mich freue ist eine Veranstaltung in der Frauenhetz in Wien nächste Woche, am Freitag 13.2. ab 19:00: Mutter sein dagegen sehr – Reflexionen zu mütterlichen Aufbrüchen. Karin Steger (Autorin von “Hättest halt kein Kind gekriegt”) und Gerlinde Maurerer (Autorin von “Medeas Erbe: Kindsmord und Mutterideal”) werden eigene Texte, sowie Texte von feministischen Wissenschafterinnen lesen und zur Diskussion stellen.

Dieser Montag Nachmittag hat noch einmal neuen Schnee nach Wien gebracht. Hoffentlich ist das Kind bald gesund, der Schnee dann noch da und wir können noch einmal in den Prater zum Rodeln (es gibt da auch ein paar kleinere Hügel, nicht nur die total flache Hauptallee auf dem Bild :-).

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CC BY 2.0 Prater 02 Shadowgate via flickr